21. Mai 2010

Unschuldslämmer Gelesen: Unschuldslämmer (Knaur 2010, 378 Seiten, Euro 8.95) von Giles Blunt.

Junger Neffe und alter Onkel zocken die Superreichen ab, doch hübsche Frauen, skrupellose Räuber und tückisches Alzheimer machen ihnen einen Strich durch die Rechnung - gute Ideen für eine beschwingte Gaunerkomödie. Doch das Ergebnis ist eine laue Posse.

Seit Owens Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, kümmert sich Onkel Max um ihn. Max, ein gescheiterter Schauspieler, durchstreift als Perückenhändler die USA. In Wahrheit befreit er reiche Promis von Geld, Schmuck und anderem, wertvollen Nippes – und sein Neffe ist ihm dabei fortan eine wertvolle Hilfe. Nur dass der irgendwann die Nase voll hat von krummen Touren und lieber Schauspieler werden möchte. Zugegeben, das ist zwar auch kein ehrliches Geschäft, aber damit lässt sich immer noch besser punkten – zum Beispiel bei der reizenden Sabrina, die Owen zufällig aus den Händen eines gewalttägigen Verehrers retten kann.
Doch statt Dankbarkeit zeigt Sabrina ihnen nur die lange Nase und stiehlt sich mit der Beute ihres jüngsten Diebstahls davon. Max und Owen heften sich gefrustet an ihre Fersen, ohne zu ahnen, dass sie längst ins Visier der »Subtrahierer« geraten sind, skrupellose Räuber, die Räuber ausrauben. Als die Familienganoven endlich die Gefahr wittern, ist es fast zu spät – denn Max hat immer häufiger mit geistigen Aussetzern zu kämpfen.
Zugegeben: Die Grundzutaten für die »Gangster-Komödie« (Verlagswerbung) des kanadischen Bestsellerautors Giles Blunt klingen vielversprechend und lassen irre Verwicklungen, haarsträubende Wendungen und somit Spaß und Spannung erwarten – einen trashigen Pulp-Roman im modernen Gewand, ja, das wär’s!
Doch leider nutzt Blunt zu keiner Zeit die Ideen, die er zu Beginn einführt, um im weiteren Romanverlauf eine clever konstruierte Story zu entwickeln. Ein Beispiel, das vielleicht wichtigste: Die Alzheimer-Erkrankung von Onkel Max! Blunt erwähnt sie zwar immer mal wieder, und schildert gelegentliche Aussetzer des alten Mannes, aber einen direkten Einfluß auf die Ereignisse der Geschichte hat die Krankheit nicht. Dabei hätte gerade die fortschreitende Demenz für eine Menge krimineller, haarsträubender, komischer Dramatik sorgen können. Doch »Unschuldslämmer« liest sich wie eine schnell und schlicht hinuntergeschriebene Auftragsarbeit, deren Charaktere ebenso schnell und schlicht ausformuliert worden sind, ohne deren Macken und Eigenarten wirklich zu vertiefen.
Damit wir uns nicht missverstehen, der Roman bietet durchaus kurzweilige Lektüre für ein verregnetes Wochenende, aber eben auch die Erkenntnis, dass jeder Schuster bei seinen Leisten bleiben sollte: Ganoven nämlich bei ihren kriminellen Machenschaften, und Autor Giles Blunt bei den eiskalten Thrillern (»Blutiges Eis«, »Gefrorene Seelen«, »Eisiges Herz«), für die er bekannt und geschätzt wird.


20. Mai 2010

Bjella beim Agility Bjella beim Agility Bjella beim Agility Bjella beim Agility Bjella beim Agility Bjella beim Agility Bjella beim Agility Bjella beim Agility Sport schadet nicht - Bjella beim Agility. Die Aufnahmen entstanden übrigens am einzig schönen Frühlingstag (ja, tatsächlich, den gab es!) Anfang April.
Fotos: Sandra Kühn, Animal Training, mit freundlicher Genehmigung.


19. Mai 2010

Vier Minuten Sonntag ist Krimitag. Traditionell beginnt der Abend mit dem »Tatort« im Ersten, alternativ mit dem »Polizeiruf«, und findet seinen Höhepunkt beim ZDF-Sonntagskrimi. Dort habe ich schon Perlen wie die kongeniale Thrillerserie Der Adler entdeckt, dessen Macher auch verantwortlich sind für die Protectors.
Jedes Mal ein amüsantes Erlebnis sind Inspector Barnaby, aber auch der rustikale George Gently oder die Oxford-Krimis Lewis.
Mein absolutes Highlight allerdings ist Hautnah - Die Methode Hill, dessen sechste und letzte Staffel jüngst vom Zweiten ausgestrahlt wurde. »Hautnah – Die Methode Hill« sind aufwendig inszenierte Thriller mit dem zerstreuten, aber nicht minder scharfsinnigen Psychologen (und Profiler) Tony Hill, dessen Charakter den Krimis von Val McDermid entstammt. Vier Staffeln sind derzeit als DVD im Handel erhältlich, die ich mir jüngst in einem Rutsch gegeben habe. Genial!
Am kommenden Pfingstwochenende liegt die 1. Staffel von Kommissarin Lund im DVD-Player – diesmal keine in sich abgeschlossenen Episoden, sondern ein Mordfall, der die Ermittler über zehn Folgen hinweg durch ganz Kopenhagen und alle gesellschaftlichen Milieus zieht. 1.000 Minuten Spannung. Übrigens auch von den Machern des »Adlers«.


14. Mai 2010

Das letzte Kind Gelesen: Das letzte Kind (C. Bertelsmann 2010, 448 Seiten, Euro 19.95) von John Hart.

In der Krimiliteratur ist die Zahl der Cops, die sich in einen Fall verbeißen und darüber ihr Privatleben vergessen, Legion. Nur wenige sind wirklich interessant. Detective Hunt ist es.
Das wohl auch, weil er alleine den Fall nicht löst. Er bekommt Schützenhilfe - ausgerechnet vom 13-jährigen Johnny, der nicht glauben möchte, dass seine Zwillingsschwester Alyssa, die vor einem Jahr verschwand, inzwischen tot ist. Tag und Nacht durchstreift Johnny die Straßen der Stadt, spürt einschlägig vorbestrafte Triebtäter auf, observiert sie, notiert sich Auffälligkeiten, angetrieben von der Hoffnung, eine Spur seiner Schwester zu finden. Tatsächlich findet er einen Hinweis - doch wem kann er trauen? Etwa diesem Detective Hunt, der es seit einem Jahr nicht geschafft hat, Alyssa zu finden?
Hunt hat es sich längst zur Lebensaufgabe gemacht, das junge Mädchen zu finden - und je mehr Zeit verstreicht, umso mehr leidet er unter dem Misserfolg. Seine Frau ist längst abgehauen, sein Sohn spricht kaum ein Wort mehr mit ihm, und auf dem Polizeirevier erntet er nur noch Kopfschütteln – bis erneut ein junges Mädchen verschwindet.
Hunt ahnt, dass der kleine Johnny mehr darüber weiß, als er erzählen mag, doch so sehr er sich bemüht, er kann das Vertrauen des Jungen nicht gewinnen. Doch das muss er, denn Johnny ist, je länger er auf eigene Faust unterwegs ist, in tödlicher Gefahr.
Zweifellos: »Das letzte Kind« ist einer dieser Thriller, die man sich öfter zu lesen wünscht: vielschichtig inszeniert, atmosphärisch dicht, höllisch spannend und mit fesselnden Charakteren. Wie gesagt: Über Cops, die vor lauter Besessenheit, einen Killer zur Strecke zu bringen, alles andere vergessen, hat man schon oft gelesen. Aber die eigentliche Arbeit erledigt in diesem Fall ja auch ein kleiner Junge.
Dabei begeht Autor John Hart nicht den Fehler, seinen 13-jährigen Protagonisten als »Superhelden« aufzubauen. Im Gegenteil: Johnny versucht dem Verschwinden seiner Schwester auf die Spur zu kommen, nicht weil er - wie der Detective - einen Mörder zur Strecke bringen möchte. Johnny wird von kindlicher Naivität angetrieben, der Hoffnung, dass nach Alyssas Rückkehr alles wieder so wird wie früher. Denn sein Vater hat die Familie kurz nach dem Verschwinden Alyssas verlassen, seine Mutter zerfleischt sich seither in einer Beziehung zu einem Tycoon, der so gewalttägig wie einflußreich ist.
Konsequenterweise verweigert Hart seinen Helden und damit dem Leser ein Happy-End. Gut so, denn das wäre der Geschichte nicht gerecht geworden. Trotzdem - oder gerade deswegen - ist »Das letzte Kind« definitiv ein Thriller-Highlight 2010.


9. Mai 2010

Mache Pause. Muss mal sein.


7. Mai 2010

Schneller als der Tod Gelesen: Schneller als der Tod (S. Fischer 2010, 300 Seiten, Euro 18.95) von Josh Bazell.

Erst kriegen sich die Kritiker vor Lob nicht mehr ein, dann entert der Vielgelobte sogar die Krimi-Bestenliste von Null auf Eins. Besser kann’s für ein Debüt nicht laufen. Doch wie heißt es so schön: Never believe the hype!
Der Roman beginnt mit diesen Worten:

Ich bin also auf dem Weg zur Arbeit und bleibe stehen, um einer Taube zuzuschauen, die im Schnee mit einer Ratte kämpft, und irgend so ein Dödel will mich ausrauben! Mit Knarre natürlich. Er komt von hinten und drückt sie mir in die Schädelbasis. Sie ist kalt und fühlt sich sogar gut an, nach Akupressur. »Ganz ruhig, Doc«, sagt er.

Irgend so ein Dödel. Dödel. Ha ha, selten so gelacht. Nämlich 1975, als Dieter Hallervorden mit Nonstop Nonsens herumdödelte, pardon, -blödelte. Den Dödel kann man Bazell natürlich schwerlich vorhalten, den hat der Übersetzer verbockt. Für das was folgt, nämlich die Geschichte, haftet allerdings der Autor.
Die Story ist schnell erklärt: Das oben erwähnte Überfallopfer ist Dr. Peter Brown und arbeitet als Arzt im Krankenhaus. In Wahrheit heißt er jedoch Pietro Brnwa (gesprochen »Brauna«), war jahrelang als Mafiakiller »Bärentatze« aktiv, bevor er gegen den Mobster auspackte und in den Zeugenschutz gelangte.
Dank seiner Erfahrung kann Dr. Peter Brown den Angreifer in die Flucht schlagen, nur um wenig später im Krankenhaus einen vertrauten Paten auf dem OP-Tisch vorzufinden, der ihn ebenfalls wiedererkennt. Doch weil Brown nicht mehr Brnwa heißt, außerdem den hippokratischen Eid abgelegt hat, tötet er den Mobster nicht, sondern rettet ihm das Leben. Der erweist aber wenig Dankbarkeit, sondern hetzt seine Killertruppen in das Krankenhaus.
Für den Rest des Tages ist Dr. Brown bemüht, halbwegs heil aus dieser prekären Situation zu gelangen. Unterdessen erfährt man in Zwischenkapiteln Brnwas Lebensgeschichte, seinen Weg zu den Mobstern, sein Erfolg, sein Ausstieg. Aber das ist, ganz ehrlich, nichts, was man nicht irgendwo schon mal und schon besser gelesen hat. Vor kurzem zum Beispiel: »Frankie Machine« von Don Winslow (siehe dazu meine Rezension vom 6. Februar 2010).
Eines muss man Bazell zugute halten: Er erzählt locker, flüssig, mitunter sarkastisch, gerade wenn es um den rüden, stressigen Betrieb in einem Krankenhaus geht. Aber das alleine tröstet auch nicht über die dünne Crime-Story hinweg (die nicht einmal eine ist, sondern nur die wiederholte Biografie eines Mafiakillers). Und entschuldigt erst recht nicht deren hanebüchenes Ende: Okay, es ist aberwitzig zu lesen, wie sich Pietr, im Kühlkeller für Blutkonserven eingeschlossen, seinen Wadeknochen selbst entfernt, aber dass er diesen als Messer gegen seinen ärgsten Feind einsetzt, also naja, das ist dann doch zu dick aufgetragen – zumindest für eine Geschichte, die sich zuvor 300 Seiten mau dahinschleppt.


6. Mai 2010

Heute morgen um 6 Freundin zum Ostbahnhof gebracht - an sich kein Problem. Danach aber das Parkplatzticket bezahlt und vor die Schranke gefahren. Das Ticket wurde vom Automaten eingezogen - doch Schranke blieb unten. Also Alarmknopf gedrückt und fünf Minuten lang »Bitte warten, Sie werden verbunden« gehört. Dann genervt Hotline angerufen, die erklärte: »Oh, da muss ich einen Handwerker schicken. Das dauert ...«


5. Mai 2010

Bjella Stolzes Herrchen: Bjella ist jetzt ein Jahr alt.
(Foto: Sandra Kühn, Animal Training)


3. Mai 2010

Heute in der Zeit: Skandalautorin Helene Hegemann nimmt Stellung zu den Plagiatsvorwürfen und überhaupt zu allem, was ihr gegen den Strich geht ... Ich habe mich redlich bemüht, durch ihr krudes Geschwafel zu kämpfen. Nach der Hälfte habe ich aufgegeben. Unerträglich!


2. Mai 2010

Kaum zu glauben, dass die Mannschaft im vergangenen Jahr noch um die Meisterschaft gespielt hat. Jetzt ist sie abgestiegen - manche mögen anderer Meinung sein, ich finde, etwas anderes hat Hertha BSC nach dieser miesen Saison auch nicht verdient.


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