30. November 2006

Mag sein, dass Andreas Eschbach stilistisch nicht unbedingt die erste Sahne ist. Seine Geschichten allerdings sind immer eine spannende Mixtur aus viel Phantasie und Witz. Und sie sind Bestseller. Wohl Grund genug für einen Gonzo-Journalisten wie Stephan Maus, Eschbach (und nicht Eschenbach, Herr Maus!) in einem Artikel über »45 Jahre Perry Rhodan« im letzten Stern als »Unterhaltungshandwerker« herabzuqualifizieren. Wie ich diese hochliterarischen, dekadenten, dandyhaften Klugscheißer hasse, die über ihren ikonoklastischen Tellerrand hinweg nur mit Verachtung auf Fantastik oder Krimis oder Thriller hinabblicken.

Der NobelpreisGrund genug, einige Worte über Eschbachs aktuellen Roman zu verlieren, Der Nobelpreis. Nachdem Eschbach den Roman - seinen ersten Thriller - kürzlich auf einer Lesung in Berlin vorstellte (ich berichtete), habe ich, neugierig geworden, kaum daheim, mit der Lektüre begonnen.
Schock! Die Mitglieder des Nobelpreiskomitees werden bestochen. doch Professor Hans-Olof Andersson hält an seinen Idealen fest und lehnt das viele Geld, das man ihm unterbreitet, ab. Kurz darauf wird seine Tochter Katharina entführt. Da er sich nicht zu helfen weiß, bittet er seinen Schwager, den Bruder seiner verstorbenen Frau Inga, um Hilfe. Gunnar ist Industriespion und augenblicklich hinter schwedischen Gardinen. Andersson lässt seinerseits Kontakte spielen und bekommt Gunnar frei.
Unvermittelt und vorerst nicht ganz einleuchtend wechselt Eschbach die Erzählperspektive; befand der Leser sich bisher im Kopf des verzweifelten Andersson, wird jetzt aus Gunnars Perspektive berichtet. Davon, wie dieser die Spur der Entführer aufnimmt, von einer Falle in die nächste tappt und im Sog der allumspannenden Korruption beinahe alle Hoffnung verliert - bis er durch einen Zufall dem wahren Übeltäter auf die Spur kommt.
Durchaus, es gibt viele (beinahe zu viele) Zufälle, die den Helden in diesem Roman widerfahren. Doch trübt das nicht wirklich den Spaß, mit dem man verfolgt, wie Gunnar Licht in die vermeintliche Verschwörung bringt. Als er schließlich die wahren Hintergründe aufdeckt (jetzt bekommt auch der Perspektivwechsel seinen Sinn), kann man Eschbach vorwerfen, dass er sich leichtfertig aus der Affäre seines gewaltig errichteten Verschwörungsgebildes zieht. Andererseits kommt die Auflösung plötzlich und überraschend und macht vielleicht gerade deshalb den Reiz dieses Romans aus.


29. November 2006

Nachdem das Manuskript zu Macht der Toten, Band 3 meiner »Inferno«-Ttrilogie, seit zwei Wochen beim Festa Verlag liegt, läuft die Arbeit an den Büchern fürs Frühjahr 2007 auf Hochtouren. Gestern abend war ich beispielsweise beim Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, wo ich auf der Vertreterkonferenz die beiden neuen Titel vorstellen durfte. Einer der beiden ist schon jetzt bei Amazon.de vorzubestellen. Das zweite Buch, eine Art Biografie, wird unter meinem Alter Ego Christoph Brandhurst erscheinen. Damit ist auch klar: Nichts für zarte Gemüter.
Mehr Infos zu all meinen Neuerscheinungen in 2007 stelle ich in Kürze online.


24. November 2006

So, endlich sind auch mehr Informationen zu Sexwork . Kunst Myhtos Realität online. Die ausstellung, die in drei Berliner Kunsthäusern stattfindet, wird am 15. Dezember 2006, 19 Uhr, offiziell eröffnet. Ich habe den dokumentarischen Teil zur Ausstellung beigetragen. Für mehr Informationen klicken sie bitte hier.

Im Rahmen der Ausstellung werde ich auch eine Lesung halten, aus meinem Buch Lude! Ein Rotlicht-Leben, und zwar am 20. Februar 2007, 19 Uhr, in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst NGBK, Oranienstraße 25, 10999 Berlin.


23. November 2006

Heute kam die Bestätigung von EinsLive, der Jugendwelle des WDR - am 3. Januar 2007 werde ich von 23 bis 24 uhr Gast in der Late-Night-Sendung Lauschangriff Talk sein und über mich und meine Bücher plaudern dürfen. Ich fühle mich geehrt, denn vor mir zu Gast waren schon Daniel Brühl, Herbert Grönemeyer, Fatih Akin, Heike Makatsch, Jürgen Vogel, Alexandra Maria Lara, Sönke Wortmann, Gerald Asamoah, Oliver Kalkofe und eine Menge mehr.
Der Sender über das Format: »Die Radio-Late-Night: ein schillernder Gast im Studio, während im Rest des Senders die Lichter ausgehen. Intime Gespräche, dicht und locker, banal und tiefschürfend.« Da bin ich ja mal gespannt.


22. November 2006

Heute mittag klingelte DPD an der Tür und brachte mir die Belege von Sido. Ich will mein Lied zurück. Also liebe Fans, die ihr mir seit Tagen verzweifelt schreibt: Jetzt wird es definitiv nicht mehr lange dauern, bis das Buch im Handel erhältlich ist. Und ich hoffe, ihr habt ebenso viel Spaß beim Lesen wie ich ihn beim Schreiben hatte ...


21. November 2006

Ein neuerlicher Beitrag aus der Reihe »Polemik des Tages« - natürlich war nach gestrigem Schreckenstag zu erwarten, dass die Herren Politiker mal wieder ein Killerspiele-Verbot fordern. Und dabei völlig verkennen, um was es wirklich geht, nämlich die sozialen Hintergründe. Die Zustände mancherorts, in den Familien, an den Schulen, auf der Arbeit (oder auf dem Arbeitsamt) befördern doch erst Angst, Missmut, Verzweiflung, Wut und Hass zu tage. Ich weiß, wovon ich rede, denn rein zufällig (nicht wirklich) sitze ich gerade für den Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag an einem Buch, mit dem zum Teil genau dies thematisiert wird. (Mehr dazu Anfang Dezember)
Und überhaupt: Wenn man schaut, wie den Promis für ihre Vergehen nach wenigen Jahren Absolution erteilt wird, als wäre nie was gewesen (Friedman lässt grüßen), bitte schön, dann darf man sich nicht wundern, wenn der Pöbel zornig wird.


18. November 2006

Ob man's glaubt oder nicht, aber Berlin besteht aus mehr als nur Lammburger und knusprig-knackigen Fritten in der Kreuzberger Morena Bar. Deshalb haben Heiko, der an dieser Stelle schon mehrfach erwähnte Berufsrealist (in Wahrheit ist er Doktor der Naturwissenschaften), und ich beschlossen, ab sofort, in schöner Regelmäßigkeit und der Reihe nach alle möglichen und unmöglichen Berliner Restaurants unterschiedlichster Nationalitäten anzutesten.

Der Auftakt gestern abend war eher traditionell, und zwar im böhmischen Restaurant Prager Hopfenstube (Karl-Marx-Allee 127, 10243 Berlin).

Prager Hopfenstube Der Name täuscht, das Restaurant ist mit hohen Decken, Ikea-Lampen und -pflanzen alles andere als eine gutbürgerliche Stube. Aber nun gut, wir sind des Essens wegen gekommen, nicht wegen der Einrichtung. Als Getränk wählten wir eine Flasche Weißwein »Klastorne Biele« (halbtrocken, angenehm und vollwürzig im Geschmack). Als Vorspeise nahm ich Prager Schinkenröllchen (mit Sahnemeerrettich, Butter, getoastetes Brot), als Hauptspeise Svickova (böhmischer Rinderbraten mit Sauerrahmsoße, Preiselbeeren, Knödel und einem kleinen Salat - siehe Foto), zum Dessert einen Prager Kirschbecher (3 Kugeln Schokoladeneis mit Kirschlikör, Kirschen und Sahne).
Heiko entschied sich zur Einleitung für die Soljanka (hausgemacht mit Zitrone und Toast), als Hauptgang für das tschechische Nationalgericht Veprova Pecene (Schweinebraten mit mährisch Kraut und Knödel) und zum Abschluß für Marilleneisbecher (3 Kugeln gemischtes Eis, Marillen und Sahne).

Abgesehen von der Bedienung, die sichtlich im Stress war und zwischen, zugegeben, mächtiger Vorspeise und Hauptspeise keine fünf Minuten verstreichen ließ, meinem Salatdressing, das ziemlich fade nach Cocktailsauce aus der Flasche schmeckte, und den Marillen in Heikos Eisbecher, die wie Dosenobst den Geschmack vermissen ließen, war das Essen super lecker. In Überraschung versetzte uns nach dann doch zweieinhalb Stunden, die wir im Restaurant verbracht hatten, die Rechnung, die sich für alles zusammen (inklusive dem Absacker, je einem Kirschobstler) auf gerade mal 44 Euro belief - für die Menge und für die Qualität ein mehr als günstiger Preis. Unser Fazit: empfehlenswert.
Demnächst testen wir ein afrikanisches Restaurant an.


16. November 2006

Der gestrige Tag war gut. Der heutige ist noch besser. Meine agentin ließ mich wissen, der Goldmann Verlag habe mir ein Angebot für meinen neuen Roman »Gier« unterbreitet. Ich habe nicht lange gezögert, ich habe es angenommen. Schreiben werde ich den Thriller und quasi WutNachfolger ab Februar 2007, erscheinen wird er dann wohl irgendwann 2008.

Auf jeden fall wird heute abend gefeiert - mit einigen Hemingway Sour in der Morena Bar. Zuvor werde ich allerdings noch Andreas Eschbach meine Aufwartung machen, der um 19 Uhr in Lehmanns Fachbuchhandlung aus seinem neuen Roman »Der Nobelpreis« lesen wird.


15. November 2006

sidoEs steigt und steigt und ich frage mich augenblicklich, wird Sido. Ich will mein Lied zurück mein erstes Buch, das es in die Top 100 bei Amazon.de schafft? Lude! Ein Rotlicht-Leben schrammte bei Erscheinen im Frühjahr ja haarscharf dran vorbei. Schauen wir, was die nächsten Tage - nach Erscheinen des Buches - so bringen.


10. November 2006

die blutlinie Gelesen: Die Blutlinie von Cody Mcfadyen. Darin wird die ohnehin arg vom Schicksal gebeutelte FBI-Agentin Smoky Barrett (ein Killer vergewaltigte sie, tötete Mann und Kind, bevor Smoky ihn erschießen konnte) von einem durchgeknallten Serienkiller herausgefordert: Er behauptet, ein Nachfahre des legendären Jack the Rippers zu sein. Wie weiland Jack hat er es auf Prostituierte und, ganz modern, Internet-Sexanbieterinnen abgesehen - und möchte nur von Smoky Barret gejagt werden. Ein Psycho-Kampf entbrennt, der bei Smoky schlimme Erinnerungen wachruft.

Wer zwei der vielleicht wichtigsten Thriller der letzten 20 Jahre gelesen hat, wird von »Die Blutlinie« enttäuscht sein. Schon zu Anfang, als Smoky Barrett dem Polizeipsychiater ihr Seelenleid klagt, fühlt man sich an »Cupido« erinnert, jenem Sensationserfolg von Jillian Hoffman.
Kurz darauf entbrennt ein Kampf zwischen Cop und Killer, wie man es aus »Das Schweigen der Lämmer« von Thomas Harris kennt, ein Belauern, ein Heranpirschen, ein Psycho-Duell zweier genialer Köpfe.
Genial, das ist ohnehin so eine Sache: das ganze Team, das Smoky Barrett beim FBI um sich schart, scheint zu Anfang ein Superhelden-Team zu sein, vor dem selbst Superman, Batman und die Fantastischen Vier vor Neid erblassen müssten, so es sie denn gäbe. Zum Glück gibt McFadyen seinen Ermittlern im Verlauf der Geschichte mehr Menschlichkeit, die die Genialität der Cops bröckeln lässt. Denn andernfalls bliebe die Frage, wie so geniale Polizisten so einfach von einem durchgeknallten Serienkiller hinters Licht geführt werden können ...
Überhaupt kann die Auflösung von »Die Blutlinie« nur wenig überraschend. Man ahnte es schon, McFadyen schlägt den Bogen zurück zu »Cupido«.
Keine Frage: »Die Blutlinie« ist das Debüt eines stilistisch versierten Autors, ein höllisch spannender Thriller noch dazu. Aber eben nur für jene Leser, die »Cupido« und »Das Schweigen der Lämmer« nicht gelesen haben.

9. November 2006

Jetzt bin ich fast schon wieder eine Woche zurück in Berlin und gehe unter in Arbeit. Die Tapes mit den Interviews, die ich die letzten Tage im Rheinland führte, müssen bearbeitet werden. Darüber hinaus stehen auch in Berlin eine Menge Termin für zwei neue Bücher an. Mehr kann ich leider noch nicht dazu sagen, nur so viel: Sie zählen im Frühjahr 2007 aller Wahrscheinlichkeit nach mit zu den Highlights beim Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag.
Apropos Highlights: Jüngst fand die Vertreterversammlung beim Goldmann Verlag statt. Wie ich von meiner Lektorin erfuhr, zeigten sich die Vertreter hellauf begeistert von der Idee zu wut und wollten das Manuskript sogleich lesen - was offenbar nicht häufig passiert. Auch sonst geschieht gerade viel in sachen Agentin und Verlage. Doch gemach: Noch ist nichts spruchreif ...

Anders dagegen Das geheime Zimmer. Der erste Roman, den ich unter dem Pseudonym Christoph Brandhurst geschrieben habe, ist draußen! Aufmerksame Leser wissen, Brandhurst schreibt gerne harten Tobak. Also: Nichts für zarte Gemüter.

Was man gelegentlich auch von Sido behauptet. Mein Buch Ich will mein Lied zurück, inzwischen mit endgültigem Cover versehen, erscheint in einer Woche, am 15. November. Letzte Woche ist bereits die erste Single-Auskopplung aus Sidos neuem Album »Ich« (kommt am 1. Dezember) erschienen. Ich habe während unserer Arbeiten an dem Buch bereits einen Großteil der Songs hören können. auch wenn's bekanntlich nicht mein Musik-Style ist, die Tracks haben was. Ganz hohes Chart-Potential.

Bleibt mir für heute nur noch der Verweis auf Macht der Toten. seit gestern habe ich die Korrekturen zum dritten »Inferno«-Roman zurück, morgen werde ich mich dran setzen. Wer ansonsten noch was zur »Inferno«-Trilogie erfahren möchte, den verweise ich freundlichst an das Ezine Phantastik-News, für das Carsten Kuhr mich jüngst interviewte.


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