28. Februar 2007

Es ist 2:15 Uhr. Und ich habe fertig. Vor wenigen Minuten habe ich die letzte Zeile vom Prolog für »Gier« geschrieben.

Für mich ist ein guter Prolog einerseits spannender Teaser für einen Roman, andererseits ein großes Rätsel, das sich erst im eigentlichen Roman nach und nach aufklärt. Zugegeben, dieser Spagat ist mir diesmal nicht leicht gefallen. Denn »Gier« ist (im Gegensatz zu Wut) so komplex und verwirrend (ich möchte wirklich nicht Kommissar Kalkbrenner sein, der in diesem Wust ermittelt ;-), dass ich mehr als einmal Gefahr lief, viel zu viel zu verraten.
Doch nach etlichen Anläufen und noch mehr Korrekturphasen (bei denen ich mehr als einmal der Rotstift ansetzen musste) steht der Prolog jetzt.

Kommissar Kalkbrenner, bitte übernehmen!


24. Februar 2007

Tibet Gegessen: Tibetisch im Restaurant Buddha Haus (Akazienstraße 27, 10823 Berlin-Schöneberg). Die Atmosphäre im »Buddha Haus« hat zum Teil Wohnzimmercharakter: es gibt Bereiche, in denen man als Gast auf Kissen auf dem Boden sitzen kann. Gemütlich! An den Wänden hängen Bilder und Skulpturen mit asiatischen Motiven, nicht übertrieben viele, wie man es vielfach aus chinesischen Restaurants kennt. Man fühlt sich nicht von Klischees erschlagen. Angenehm!
Das Restaurant bietet mitnichten eine rein tibetische Küche, sondern eine große Auswahl an nepalesisch-tibetisch-thailändischen Speisen. Man hat die Qual der Wahl.
tibet Als Getränk wählte ich einen vitaminhaltigen Mango Lassi – superlecker! Die Vorspeise Kauli Tareko (gebackener Blumenkohl mit Tomaten-Koriander-Erdnuss-Sauce und Salat) war okay, aber geschmacklich belanglos. Die Hauptspeise überzeugte mich mehr: das typische Bergbauerngericht Khasi Alu (Lammfleisch mit Kartoffeln gebraten, Foto links) mit Basmati-Reis. Hatte was von Eintopf, bekam durch die landestypischen Gewürze Koriander und Kardamom aber seinen ganz eigenen Geschmack. Die Portion war ordentlich, hinterließ trotzdem kein Völlegefühl.
Als Dessert wollte ich einen Ice Cream Koroti (Crepes mit Eis). Der Chef des Hauses ließ mich allerdings wissen, das Eis sei leider ausgegangen, er könne den Crepes auch mit Licchies anrichten. War mir auch recht. Er schlug vor, den Crepes mit Asia Früchten zu belegen. Auch in Ordnung. Da beugte sich der Chef vor und meinte, eigentlich würde man im Nepal Crepes mit Eis oder Früchten nur den Touristen vorsetzen. Einheimische würden gebratene Banane mit Honig essen. Also wählte ich die Banane mit Honig. Schmeckte wunderbar süß, war aber sowas von mächtig, dass ich schließlich doch noch pappsatt das Restaurant verließ.
Dessen ungeachtet: das »Buddha Haus« ist eine kulinarische Entdeckung wert. Finden offenbar auch viele andere Berliner. Deshalb: bevor man sich auf die Reise macht, sollte man sich unbedingt einen Tisch reservieren!


23. Februar 2007

Vier Minuten Geguckt: »Der gute Hirte« von Robert de Niro. Unglaublich: Zweieinhalb Stunden, und nur einmal wird eine Pistole gezückt und geschossen. Ansonsten keine Explosionen und kaum Tote. Und das soll ein Agententhriller sein? Einer, der die Anfangsjahre der CIA beleuchtet? Ja, das ist er. Und was für einer. Trotz 167 Minuten Lauflänge gab es keine Minute, in der ich mich gelangweilt habe. Hauptdarsteller Matt Damon gibt mit stoischer Miene den eisigen Spion Edward Wilson, der bereits in jungen Jahren in der Geheimbruderschaft »Skull And Bones Society« erste Schritte auf dem Parket der Intrigen, Machtspiele und Lügen wagt. Kurz darauf zieht er, von Bill Sullivan (Robert de Niro) rekrutiert, für den Office Of Strategy Service (OSS) in den Zweiten Weltkrieg. Kaum ist der beendet, kämpft Wilson für die neugegründete CIA (selbst ernanntes »Herz und Seele der USA«) gegen die Russen - und ist maßgeblich fürs Scheitern der US-Offensive in der Schweinebucht vor Kuba verantwortlich.
Aber das ist nur ein Bruchteil der komplexen Handlung, die den Reiz dieses Films ausmacht; gerade die Lügen, die aufgetischt werden, und Grabenkämpfe, die ausgefochten werden, im privaten wie beruflichen, und natürlich immer für die geliebten USA, sind am Ende nur Selbstbetrug. Was auch Edward Wilson erkennen muss: Er hat nicht nur das Leben seiner Familie, seines Sohnes zerstört, auch sein eigenes für ein im Grunde sinnloses Unterfangen aufgegeben.
Außerdem gibt es geschliffene Dialoge, eine sehenswerte Schauspielerriege (William Hurt, Alec Baldwin, Joe Pesci, Angelina Jolie, John Turturro, Timothy Hutton, Martina Gedeck) und, nicht zu vergessen, eine edle Optik.


22. Februar 2007

GroßstadtlebenAuch das ist Großstadtleben - entdeckt heute morgen beim Spaziergang mit Hund entlang der Spree im Plänterwald ... Die ausgedehnte Gassi-Runde war auch nötig, denn gestern abend bin ich mal wieder in der Morena-Bar gelandet. Oder sollte ich lieber sagen: aufgeschlagen? Denn nach Hemingway, Sex on the beach, Watermelon Man und einem neuerlichen Hemingway - den Lammburger nicht zu vergessen - hieß es um Mitternacht einvernehmlich: Gnlpf!

Damit hier aber mal kein falscher Eindruck entsteht: ja, ich arbeite auch. Die letzten Tage verstärkt an »Gier«. Im Augenblick sortiere ich alle Notizen, Stichpunkte und sonstigen Gedankenstützen ins Romankonzept ein. Bekanntermaßen bin ich ja der Planer und überlasse beim Schreiben (beinahe) nichts dem Zufall. Insofern ist die Geschichte, sind die Handlungsebenen, Protagonisten und Nebendarsteller mittlerweile ziemlich gut durchdacht und in Tabellenform auf sage und schreibe fast 50 Seiten dargestellt.
Die ersten Sätze für den Prolog habe ich sogar auch schon in den Rechner gehackt. Ha!


19. Februar 2007

Schon ein Abend in der Discothek kann zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen. Sagt der Gesundheitsminister der CSU. Aha. In Anlehnung an meinen Eintrag von gestern (und nach 15 Jahren zum Teil exzessiver Clubbesuche) kann ich, zumindest von mir, behaupten: Ich tanze noch. Ich höre noch. Ich atme noch. Ergo: Ich lebe noch!
Doch halt. Mich beschleicht da ein komisches Gefühl. Moment. Ein Gefühl, dass unsere Damen und Herren Politiker nicht mehr wirklich unter uns Lebenden weilen ...


18. Februar 2007

Hab ich mich letzte Woche Sonntag noch über die neue Langsamkeit in Berlin beschwert? Okay, ich nehm alles zurück. Vergangene Nacht hat es mich ins Berghain verschlagen, dem architektonisch wohl geilsten Club der Stadt, in dem sich diesmal Kenny Larkin die Ehre gab. Wow! Die Detroiter Techno-Produzenten-Legende der zweiten Generation wirbelte hinter den Plattentellern, pumpte Chicago-House und feinste Techno-Seele in die Hörmuschel. Und auch die Berghain-Residents vorher und nachher drückten mächtig das Gaspedal.
Die Sonne (ver- ;-) strahlte aus blauem Himmel, als wir morgens um 8 den Laden verließen. Eigentlich viel zu schade, um ins Bett zu gehen, daher mit dem Hund eine ausgedehnte Runde im Plänterwald gedreht. Dabei mit so vielen Ideen zu »Gier« überfallen worden - jawohl! -, dass ich mich daheim erst einmal hinter den Rechner klemmte. Gegen 11 dann aber doch endlich die Decke über den Kopf gezogen. Gute Nacht!


17. Februar 2007

Bode-Museum Ein Mann wird enthauptet. Ein Trupp junger Menschen steht ausdruckslos daneben, packt den blutigen Schädel, tunkt ihn in einen Topf. Ein Hund trottet daher, beugt sich zum kopflosen Rumpf hinab, schlabbert das Blut, das aus dem Hals sprudelt ... *Polemik an* ... Das ist keine Szene aus einem neuen Killerspiel. Und es ist auch kein Ausschnitt aus einem Serienkiller-Thriller aus dem Spätprogramm von Pro7. Es ist lediglich eine von vielen Darstellungen der Enthauptung Johannes des Täufers im Bode-Museum, dem Museum für Spätantike und byzantinische Kunst ... *Polemik aus* ... Dem ich also gestern einen Besuch abstattete. Durchaus beeindruckende Bilder- und Skulpturensammlung, wenn auch - zwangsläufig - von christlichen Motiven dominiert. Kann man mögen, muss man aber nicht. Erstaunlich dagegen, wie gewalttätig und brutal doch schon die Vergangenheit war.
Noch viel interessanter fand ich aber das - 1897 errichtete - Museumsgebäude an sich: Riesige Säle, die an Kathedralen erinnern, schier endlos geschwungene Treppen, viel Marmor, viel Vergoldung, herrschaftlich, festlich. Kein Wunder, dass die Berliner High Society sich hier gerne zu Partys versammelt. Könnte man glatt neidisch werden ...


15. Februar 2007

Eigentlich wollte ich ja heute endlich mal ins Bode-Museum auf der Museumsinsel ... Weswegen ich mir gestern abend geschworen habe, kurz bevor ich mit Heiko in der Morena Bar einlief, es nicht zu übertreiben. Doch schon als wir die Kneipe betraten, winkte uns die fröhliche Kellnerin und rief quer über alle Köpfe hinweg: »Soll ich euch schon mal die Hemingway klar machen?«
Soweit okay, ist ja schließlich schön, wenn man über solch wichtige Dinge nicht mehr viele Worte verlieren muss. Aber acht Cocktails & Shooter später (Himmel, wie kam's bloß dazu? Waren wirklich nur Barkeeper Tan und seine Mixkünste daran Schuld? ;-) saß ich in der U-Bahn auf dem Weg heim und wusste, abermals ohne viele Worte: der Donnerstag ist gelaufen. Gnlpf!


14. Februar 2007

Das Opfer Gelesen: Das Opfer von John Katzenbach (Droemer Verlag 2007, 688 Seiten, Euro 19.90). Es gibt spannende Bücher. Und es gibt höllisch spannende Bücher. »Das Opfer« fällt ganz eindeutig in letztere Kategorie.
Ashley hat den jungen Michael kennen gelernt, landet mit ihm in der Kiste, am nächsten Morgen gehen sie getrennte Wege. Ein One Night Stand, kein Problem, denkt sich Ashley. Doch für Michael war die Nacht mehr als nur ein einmaliges Erlebnis. Er ist überzeugt: er liebt Ashley. Aus seiner anfänglich stillen Obsession wird mörderische Wut: Wenn er Ashley nicht kriegt, soll keiner sie kriegen. Als Ashleys Eltern, die selbst mit etlichen Problemen behaftet sind, ihre Tochter vor dem durchgeknallten Stalker beschützen wollen, geht es auch ihnen an den Kragen. Bis sie nicht mehr weiter wissen und den Spieß einfach umdrehen ...
Eigentlich ist die Story, die Katzenbach entwirft, nicht einmal so ungewöhnlich. Und raffiniert verstrickt schon lange nicht. Was »Das Opfer« auszeichnet und letztlich so spannend macht, ist die Psyche der Charaktere, egal ob Täter oder Opfer, in die Katzenbach eintaucht: Menschlich, verzweifelt, in jeder Beziehung nachvollziehbar, einfach nur real, daher höllisch mitreißend. »Das Opfer« ist ein richtig guter Psycho-Thriller!


11. Februar 2007

War letzte Nacht auf A. Kowalskis Geburtstagsparty in der Maria. Abgesehen davon, dass der Türsteher jeden männlichen Besucher nach über einer Stunde Schlangestehen bei eisigem Schneewetter einer eingehenden Leibchenvisitation unterzog (Hallo, sehe ich tatsächlich so aus wie die Typen, die ein Micky Maus-T-Shirt tragen?), war die Nacht mal wieder der beste Beweis, wie verquast und verkopft die elektronische Szene in Berlin gegenwärtig ist. Da konnte selbst Secret Cinema, üblicherweise ein Garant für Abfahrt hoch zehn, nichts reißen, hielt er sich doch strikt an das aktuelle Gebot: Bloß nicht über 110 bpm und bloß keine Kracher im Set, die Leute könnten ja sonst ausflippen und Spaß haben ... O Mann, was ist bloß los? Eine Frage, die sich durchaus auch das Geburtstagskind gefallen lassen muss. Er spielte nicht nur einen Song nach der anderen aus seinem aktuellen Album »Changes« - und ich benutze hier ganz bewusst den Begriff »Song«! -, Kowalski himself ist der beste Beweis für die Gleichung: Pop = Fast Food. Mann, sind wir dick geworden!

Tja, der Ernst des Lebens hat mich wieder. Tatsächlich gehen entspannte drei Wochen zu Ende. Habe die letzten Tage nichts anderes gemacht als (gute) Bücher gelesen, Kinofilme geguckt, DVDs reingezogen, bin etliche Stunden durch Berlin gestrolcht, Essen gewesen, einigen Museen einen Besuch abgestattet, der Krimibuchhandlung Hammet meine Aufwartung gemacht, auch bei Gravis viel Geld für viele nette Mac-Spielzeuge ausgegeben. Nur für Karten für die Berlinale hat's leider nicht gereicht, zugegeben, das bin ich selbst Schuld: darum habe ich mich viel zu spät gekümmert.

Ab nächste Woche beginne ich mit der Arbeit an »Gier«. Das eine oder andere über die Arbeit an meinem neuen Thriller werde ich an dieser Stelle sicherlich berichten. Man liest sich!


10. Februar 2007

Der Kindersammler Gelesen: Der Kindersammler (Heyne Verlag 2006, 528 Seiten, Euro 8.95) von Sabine Thiesler. Ein Kindermörder treibt seit den 80-er Jahren in Deutschland sein Unwesen. Dann hören die Morde plötzlich auf. Nur durch Zufall entdeckt die ermittelnde Kommissarin im Jahr 2004, dass ein Mörder in der Toscana offenbar nach dem gleichen Prinzip kleine Jungs tötet. Zusammen mit ihrer Familie reist sie in Urlaub nach Italien. Man ahnt es schon: jetzt wird's dramatisch, ihr eigener Sohn muss dran glauben ...
Klarer Fall: Pädophilie - ein trauriges Thema. Von Autorin Thiesler schonungslos und hart an der Realität umgesetzt. Trotzdem bleibt in der eigentlichen Geschichte wiederholt die Spannung auf der Strecke. Denn Thiesler baut nicht nur so manchen Zufall zuviel ein, ein wesentliches Manko sind die Charaktere: Viel zu oft - manchmal von Absatz zu Absatz - wechselt die Autorin die Perspektive, swicht von den Protagonisten zu Nebendarstellern und sofort zurück, führt außerdem noch einen allwissenden Erzähler ein. So fällt es dem Leser schwer, ein Verhältnis zu den Figuren aufzubauen und mit ihnen zu empfinden.
Dass außerdem die besonderen Verhältnisse Berlins in der Vor-Wendezeit keine Rolle spielen, dafür ihre Figuren schon Anfang der 90-er wie selbstverständlich das Internet für Recherchen nutzen, schadet der vom Grundthema her dramatischen Geschichte mehr, als dass es nutzt.


9. Februar 2007

Vier Minuten Geguckt: »Vier Minuten« von Chris Kraus. Es gibt schlechte Filme aus Deutschland. Viele davon laufen im Fernsehen, billige Produktionen der Privatsender, eine mieser als die andere, langweilig und ohne Tiefgang ... »Vier Minuten« dagegen, letzte Woche im Kino angelaufen, gehört nicht dazu: ein starker Film mit komplexen Figuren und heftigen Emotionen.
Seit 60 Jahren gibt Traude Krüger (unglaublich packend: Monica Bleibtreu) Klavierunterricht in einem Frauenknast. Eine sehr ernüchternde Arbeit, denn kaum eine der inhaftierten Frauen interessiert sich noch für die klassische Musik. Doch Krüger hält an ihrer Arbeit fest, und nur allmählich zeigt sich warum: Schwer trägt sie an einer alten Schuld, die sie in Kriegstagen auf sich nahm. Fast ist es, als wolle sie sich mit dem krampfhaften Bemühen hinter Gittern selbst für ihr Vergehen bestrafen ...
Dann aber entdeckt sie Jenny (nicht minder beeindruckend: Hannah Herzsprung) unter den Gefängnisinsassen; eine junge Frau, die sich hinter einer Maske aus brutaler, unbeherrschter Gewalt versteckt, aber die ein großes, musikalisches Talent besitzt. Krüger will ihr helfen, weil sie spürt: hilft sie Jenny, hilft sie auch sich selbst. Doch sie kommt nicht umhin, bevor sie den abweisenden Schutzwall Jennys überwinden kann, ist sie gezwungen, ihre eigene spröde Maske fallen zu lassen. Nach den vielen Jahren der Einsamkeit im Knast fällt ihr das alles andere als leicht. Ein bewegendes Psycho-Duell!
Auch wenn es kein Happy-End gibt, am Ende finden beide Frauen dennoch zu sich selbst und – ganz wichtig – zueinander. Interessant, wie sich die Bilder des Films dabei unmerklich verändern, vom eisigen Grau hin zur berauschenden Farbenflut. Keine Frage, ein in allen Belangen packender Film!


5. Februar 2007

Österreich Gegessen: Österreichisch im Restaurant Austria (Bergmannstraße 30, 10961 Berlin-Kreuzberg). Schon mal an einer Fleischvergiftung gestorben? Nun, im Restaurant »Austria«, gutbürgerlich und im typisch touristisch-österreichischem Flair - gerahmte Bergpanoramen, Hirschgeweih und Kuckucksuhr! - ist das durchaus möglich. Denn dort sind die Schnitzel so groß wie sie inzwischen legendär sind. Wahnsinn! Da braucht man normalerweise nicht einmal eine Vorspeise. Trotzdem haben wir sie uns gestern abend gegönnt: Eine Rindsuppe vom Tafelspitz mit Schinkenroulade. Zerging auf der Zunge, war wirklich ausgezeichnet. Bis zur Hauptspeise verging ein halbes Stündchen (offenbar ist dem Koch bewusst, was er seinen Gästen zumutet), weswegen wir Zeit genug hatten, für einen grünen Veltliner (heuriger, trocken).
AustriaAber dann war's soweit, das Wiener Schnitzel wurde serviert (Foto links). Den Gästen am Nachbartisch fielen die Augen aus den Höhlen, und uns grummelte der Magen angesichts dessen, was er zu bewältigen hatte. Ach so, Kartoffelsalat gab's auch noch dazu (liegt unter dem Schnitzel!), ebenso einen kleinen, frischen Salat (nicht auf dem Bild!). Jetzt war die Devise: Reinkloppen, bis es an den Ohren wieder rauskommt.
Natürlich, der Fleischbatzen war lecker, anfangs ging er auch locker den Rachen runter. Aber zum Ende hin erhob der Magen Protest - und die Alte Zwetschge (3 Jahre im Eichenfaß) für Heiko und der Marillenbrand für mich waren ein dringend notwendiger Magenspüler. Keine Frage, so ein Abend im »Austria« ist nix für den Gourmet, aber als Erlebnis für zwischendurch ganz akzeptabel ...


2. Februar 2007

Geguckt: »Déjà Vu« von Tony Scott. In New Orleans explodiert eine Fähre und reißt über 500 Menschen in den Tod. Der smarte wie coole ATF-Agent Doug Carlin (gewohnt souverän: Denzel Washington) entdeckt nicht nur Hinweise auf einen terroristischen Anschlag, sondern auch die brutal gemeuchelte Leiche der jungen Claire, die nicht zu den Dutzend verbrannten Opfern des Attentats passt. Trotzdem gibt es eine Verbindung. Nur welche? Um dies herauszufinden, greift das FBI (ungewohnt propper: Val Kilmer) zu einer neuen Technik, mit der es gelingt, genau viereinhalb Tage in die Vergangenheit zu gucken. Auf diesem Wege wollen sie Attentäter und Mörder finden. Doch Carlin, von der jungen Claire hingerissen, will noch mehr: Er will die Vergangenheit verhindern und Leben retten. Weswegen er schließlich sogar selbst in die Vergangenheit reist.
Wie so oft bei Zeitreise-Stories, sollte man nicht all zu sehr über technische Feinheiten nachdenken. Auch bei »Déjà Vu« gilt: Popcorn mampfen, das Gehirn ausschalten und deshalb einen wirklich spannenden Thriller genießen. Ist ja nicht so, dass der Geschichte jeglicher Tiefgang fehlt - die Post-Katrina-Ära in New Orleans wurde in »Déjà Vu« ebenso verarbeitet wie die Kritik am allmächtigen Überwachungsstaat ...


1. Februar 2007

Seit gestern bin ich Mitglied der ehrenwerten Gesellschaft: Das Syndikat hat mich in seine Reihen aufgenommen.

Ansonsten habe ich mir die letzten Tage einiges zu Gemüte geführt. Als da wären:

Gelesen: Die Palm-Beach-Verschwörung (Goldmann Verlag 2006, 350 Seiten, Euro 8.95) von James Patterson. Bademeister Ned verliebt sich am Strand in die reiche Luxusgöre Tess. Um ihr das schicke Leben bieten zu können, braucht er Kohle. Deshalb will er seinem Cousin Mickey bei einem spektakulären Kunstraub helfen. Doch dann werden Mickey und seine Gang erschossen. Kurz darauf wird auch noch Tess tot aufgefunden wird. In beiden Fällen gilt Ned als Hauptverächtiger, erst recht als er flüchtet und eine FBI-Agentin als Geisel nimmt. Ausgerechnet diese ist von Neds Unschuld überzeugt. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach den wahren Mördern und verstricken sich dabei in einem Geflecht aus Macht, Korruption und Intrigen.
Keine Frage, »Die Palm-Beach-Verschwörung« ist kein anspruchsvolles Krimierlebnis wie beispielsweise Pattersons Alex-Cross-Thriller. Doch mit Pattersons gewohnt temporeichen Schreibe (kein Kapitel ist länger als drei Seiten!) lasse ich vorliegenden Roman als schnelle Lektüre für zwischendurch gelten.

Geguckt: Lucky # Slevin von Paul McGuigan (Costantin Film 2006, 105 Minuten). Der falsche Tag, die falsche Zeit: Slevin (Josh Hartnett) verliert seinen Job, ertappt seine Freundin beim Seitensprung, flüchtet zu seinem Kumpel Nick, dabei wird ihm sein Ausweis geklaut. Deshalb kann er (als er in Nicks Wohnung angekommt) den Gangstern (die eine Rechnung mit seinem Kumpel offen haben) nicht beweisen, dass er gar nicht Nick ist ... Man schleppt ihm zum »Boss« (Morgan Freeman), der verlangt, dass er Nicks Spielschulden durch einen Mord an den Sohn des »Rabbis« (Ben Kingsley) abarbeitet. Kaum wieder in der Wohnung, lauern ihm die Gangster des »Rabbis« auf – denn auch dort hat Nick Spielschulden. Und als wäre das nicht genug, scheint sich auch der ominöse wie eiskalte Killer »Mister Goodkat« (Bruce Willis) auf die Fährte von Slevin zu heften. Nur mit Mühe und mit der Hilfe der zuckersüßen Lindsay (Lucy Liu) gelingt es Slevin, Licht in den verwirrenden Plot zu bringen.
Schon seltsam, dass es ein Film mit diesem hochrangigen Ensemble, das sich in unglaublich spaßiger Spiellaune präsentiert, nicht in die deutschen Kinos schaffte. Dabei hat der Streifen alles das, was man von einem guten Film erwartet: eine durchdachte Story, Action, Spannung und ganz viel Unterhaltung (nicht zuletzt durch geniale Dialoge). Erinnert stellenweise an Tarantino. Sehenswert!


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