Deep in Techno, eine kleine Geschichte der elektronischen Musik: Lesen Sie meinen Vortrag am Zentrum für zeitgenössische Musik an der Donau Universität Krems (Wien/Österreich), August 2004: hier.

Das Buch: Wir finden viel mehr Befriedigung in der Geräuschkombination von Straßenbahnen, Auspufflärm und lauten Menschenmassen, als beispielsweise im Einüben der Eroica oder Pastorale«, findet Luigi Russolo 1913 in seinem Manifest »Die Kunst der Geräusche«. »Alle Geräusche sind Musik«, stellt Karlheinz Stockhausen 1950 fest. »Die Musik der technisierten Welt läßt sich nur auf einem Instrumentarium der technisierten Welt darstellen«, statuiert Ralf Hütter, Gründer der Techno-Pioniere Kraftwerk, im Jahr 1973. Zehn Jahre später ist es Westbam, der »No More Fuckin’ Rock’n’Roll« proklamiert. 1994, rechtzeitig zum Bundeshauptstadtbeschluß, ruft die Frontpage in Berlin die Raving Society aus.

Mit Techno bricht die Zukunft an. Techno ist anders, als man es aus dem leidigen Rock- und Pop-Biz kennt, das die Stars und den Glamour hypt. Techno stellt den Hörer in den Mittelpunkt. Der Musiker ist nur noch Mittler zwischen Instrument und Hörer, ein Klang-Ingenieur, der in einer Symbiose mit seinen Maschinen und einer unendlichen Vielfalt von Geräuschen zeitlose Musik produziert.

»Deep in Techno« schildert schillernde Geschichte. Der Autor Marcel Feige reist durch ein Jahrhundert elektronischer Musik; von den Klangexperimenten zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Anfänge der elektronischen Musik in den 50ern und 60ern, Kraftwerk, Disco und Funk in den 70ern, Industrial, EBM, Elektro, Chicago- und Acid-House und Detroit-Techno in den 80ern bis hin zum Rave-Techno und seinen aufregenden Stilblüten wie Gabber, Trance, Hardtrance oder Drum’n’Bass und TripHop in den 90er Jahren.

Das Buch zeichnet Legenden eines Jahrzehnts ungezügelter Lebensfreude, taucht ein in die exaltierte Fun-Generation, begegnet den Helden der Nacht und den Herrschern über Vinyl und Turntable, entdeckt Stars, Veranstalter, Produzenten, Journalisten und Visionäre, Magnaten und Industrielle, die dem Techno-Movement ihren Stempel aufdrückten. Viele O-Töne spiegeln den Geist vergangener Jahre wider. »Deep in Techno« ist damit ein, wenn nicht sogar das authentischste Zeitdokument des Techno-Movements.

Das Buch wird abgerundet durch aktuelle Gespräche mit den wichtigsten Protagonisten, die ihre musikalischen Visionen für das neue Jahrtausend offenbaren, unter anderem Sven Väth (Superstar), Jürgen Laarmann (Frontpage), Ramon Zenker (Bellini), Claus Bachor (Underground), Michael Reinboth (Compost&Compose) und Bassface Sascha (Drum&Bass).

»Deep in Techno« ist damit nicht nur eine intensive, wehmütige Erinnerung an die »gute, alte Zeit«, an die heißen Scheiben, an die wilden Nächte, an die endlosen Tänze, sondern zugleich auch ein hoffnungsfroher Ausblick auf die Zukunft einer Musik, die für sich beansprucht, die Zukunft zu sein ...

Deep in Techno

Die ganze Geschichte des Movements

Vergriffen.

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, Paperback
352 Seiten, Euro 14.90
ISBN 3-89602-328-4

Impressum