Piercings sind der letzte Modeschrei. Mädels, die keinen Nabelring besitzen, sind nicht »in«. Jungs, die keine Brustwarzenpiercings tragen, sexuell langweilig. Finstere Kinostars tragen Augenbrauenpiercings, und am Infoschalter der Deutschen Bahn lächelt uns blitzend ein Zungenpiercing entgegen. Piercings sind dekoratives Element des Körpers. In einer Welt, die bis ins Detail alles erklären muss, bleiben sie manchmal ein kleines Geheimnis - für jeden. Denn unter Uniform, Jeans oder Armani-Anzug sieht man das Intimpiercing nicht.
Intimpiercings haben vor allem bei Männern eine lange Tradition. Sie entstammen den exotischen Ländern, was die ebenso exotischen Namen erklärt, und wurden zum Teil schon im Kamasutra erwähnt, zum Beispiel der Apadravya, die Penis-Durchbohrung. Und damit ist auch der eigentliche Beweggrund erklärt, der zu einem solchen Piercing führt: die sexuelle Stimulanz. Nicht zuletzt aus diesem Grund erlebten die Intimpiercings in der westlichen Zivilisation anfangs ihre Renaissance in der schwulen und heterosexuellen S/M- bzw. Fetischszene. Auch heute, im Zeitalter der exaltierten Bodyart, werden Intimpiercings meist aus sexuellen Gründen getragen. Aber eben nicht nur!

Einen Prinz Albert durch die Eichel, ein Frenum durch die Vorhaut, einen horizontalen Stecker durch die Schamlippe oder einen Ring über der Klitoris - die einen tragen es bloß als Schmuck, die anderen als erotischen Appetizer. Eines ist ihnen allen gemein: Das Intimpiercing ist ihr kleines Geheimnis, verborgen vor dem Rest der Welt!
Doch Intimpiercings sind Körperschmuck, und Schmuck ist dazu da, dass er bewundert wird. In dem Buch "Mein kleines Geheimnis" zeigen die Leute ihr Geheimnis. Das Buch ist in erster Linie also ein Bilderbuch. Es ist aber auch ein Lesebuch. Was steckt dahinter, hinter dem silber- oder goldfunkelnden Schmuck am Körper?
Katharina, 20, findet ihren Brustwarzenring »voll erotisch«. Heike hat sich gleich beide Brustwarzen stechen lassen, und dazu horizontal die Klitorisvorhaut, was sie »sehr interessant fand«. Und Sandy, 23, wollte mit dem gleichen Stecker durch die Vorhaut ihre Grenzen ausloten.
Olaf trieb die Obsession dazu: Heute trägt er 32 Piercings an Hoden und Penis, und noch immer verlangt er nach mehr: »Ob das von mir mit dem Piercen allerdings vorbildlich ist, lasse ich mal dahingestellt ...« Der umgekehrte Prinz Albert macht das Glied von Tom erst richtig schön. Und für Volker, einen hochrangigen Manager, ist der Prinz sein kleines Geheimnis.

In dem Buch »Mein kleines Geheimnis« kommen Menschen zu Wort, erzählen über sich und ihre Beweggründe, Neigungen und Erfahrungen. Manchmal verborgen, schüchtern und anonym, manchmal aber auch hart und exhibitionistisch ...

Piercing Intim

Mein kleines Geheimnis

Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2004, Klappenbroschur
320 Seiten, Euro 29.90
ISBN 3-89602-446-9

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