Tattoos begleiteten die menschliche Entwicklung über viele Jahrhunderte, Jahrtausende. Prähistorische Funde belegen, daß die Körperbemalung noch vor oder doch zumindest gleichzeitig mit den Felsmalereien eine der ersten künstlerischen Äußerungen des Menschen war.
Hautbilder bei den Urvölkern hatten eine religiöse oder magische Bedeutung. Naturstämme markierten sich mit Tattoos, um in einem Kampf in der Lage zu sein, ihre Freunde und Feinde auseinanderzuhalten. Lange Zeit war das Phänomen eine Lebensäußerung sozialer Randgruppen, umgeben von einem Hauch des Verwegenen.
In Amerika und Großbritannien hatte die »Art of Tattooing« längst schon Einzug gehalten, da gelangte das Tätowieren erst nach Deutschland. Interessanterweise eröffnet ausgerechnet der deutsche Immigrant Martin Hildebrandt, der 1870 das erste Tattoo-Studio der USA.
Heute, über 100 Jahre danach, sind Tätowierungen hierzulande eine eigene Profession, und Kult für jeden. Sie sind Ausdruck der Lust am Leben. Und das ist nicht zuletzt das Verdienst einer exaltierten Jugend, die in den 90ern die Tattoos als ein Symbol ihres Lifestyles erkoren hat. Tattoos sind Schmuck.

Tätowierungen sind Körperschmuck, und Schmuck ist dazu da, daß er bewundert wird. Das Buch »Ein Tattoo ist für immer« ist in erster Linie also ein Bilderbuch. Jede Menge Motive, Plakate und Fotos erzählen 100 Jahre Tattoo-Geschichte in Deutschland: angefangen bei den Freaks und »Schaubudenmenschen« der Sideshows Anfang des 20. Jahrhunderts und den Seefahrer-Tätowierungen von Christian Warlich, Herbert Hoffmann und Albert Heinze in Hamburg in den 20er, 30er und 40er Jahren über die Hautzierde aus dem Knast in den 50er Jahren, die Tattoos der Rocker und Punks in den 60er und 70er Jahren bis hin zu den Lifestyle-Hautbildern der Techno- und HipHop-Generation in den 90er Jahren.
Das Buch »Ein Tattoo ist für immer« ist aber auch ein Lesebuch. Die vielen Abbildungen werden ergänzt durch eine umfassende Einführung zur Geschichte der Tätowierung in Deutschland – selbstverständlich im Kontext zur internationalen Entwicklung, durch ausführliche Porträts der einzelnen subkulturellen Strömungen, deren Ursprung und Bedeutung für die Tätowierung, sowie Interviews mit bedeutenden Tätowierern bzw. Tätowierten, ohne die die Geschichte der Tätowierung in Deutschland nicht denkbar wäre, u.a. Samy Streckenbach, Christian Warlich, Albert Heinze, Theodor Vetter, Ralf Guttermann, Felix Leu, Uwe Güldner, Hängo, Dirk-Boris Rödel, Ilja Hummel, Herry Nentwig, Yvonne Ziegler und Harry Kunze.

Ein Tattoo ist für immer

Die Geschichte der Tätowierung in Deutschland

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003, Gebunden
450 Seiten, Euro 39.90
ISBN 3-89602-381-0

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