Armut in Deutschland betrifft nicht nur Minderheiten und Benachteiligte. Armut wächst längst aus den sozialen Brennpunkten heraus in die Wohngebiete der Mittelschicht.
Die Mittelschicht bundesrepublikanischer Prägung befindet sich in der Auflösung. Die Insignien der bürgerlichen Mitte - Bildung und Ausbildung - schützen nicht mehr vorm Absturz.
Denn schon längst findet nicht mehr jeder Gutausgebildete eine Arbeit, der danach sucht. Einstige Leistungsträger der Gesellschaft, ehedem Steuer- und Beitragszahler in versicherungspflichtigen Vollbeschäftigungsverhältnissen, gleiten nach unten ab.

Für sein Buch »Ich bin dann mal pleite« ging Autor Marcel Feige auf die Straße und hörte den Menschen zu. Offen berichteten sie über Arbeitslosigkeit und Armut, Verzweiflung und Zukunftsangst, Ernüchterung und Wut. 25 Porträts aus Ost und West sind entstanden, die verschiedene Facetten vom Absturz aus der gesellschaftlichen Mitte beschreiben.

Es trifft auch die, die einen »guten« Beruf erlernt haben: die alleinerziehende Bürokauffrau, den verheirateten Facharbeiter, den Journalisten, den Handwerksmeister und den Diplom-Physiker, den Unternehmer und die Drogistin.
Exemplarisch für die aktuelle Entwicklungen steht das Porträt der Monteurin bei Siemens, die kurz vor der Altersteilzeit steht und nach der Übernahme durch BenQ entlassen wird, oder das Schicksal des festangestellten Fleischers, dessen Stelle durch Zeitarbeiter ersetzt wird.
Menschen, die sich vor kurzem in der Mitte der Gesellschaft sahen, berichteten von ihren ersten Berührungen mit der Armut und darüber, wie sie den Alltag mit wenig Geld und den Enttäuschungen auf dem Arbeitsamt meistern.

Doch das Buch »Ich bin dann mal pleite« bietet noch viel mehr: nämlich eine Vielzahl an Gesprächen mit Menschen, die trotz Armut ihren Mut, ihre Würde und ihre Hoffnung nicht verloren haben.

Ich bin dann mal pleite

Neues aus der Gesellschaftsmitte

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2007, Taschenbuch
250 Seiten, Euro 12.90
ISBN 978-3-89602-757-3

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