27
Aug

John Grisham: Verteidigung
Vergebliche Suche

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Don Marcello hat gelesenNiemand erwartet von Grisham hohe Sprachkunst. Doch in seinem jüngsten Roman sucht man sogar vergeblich nach einer Handlung.

Was so natürlich nicht ganz richtig ist, denn natürlich besitzt »Verteidigung«, der neue Roman des US-Bestsellerautors, eine Geschichte: Der erfolgreiche Anwalt Zinc hat die Schnauze voll von der Maloche in einer großen Kanzlei. Er schmeißt das Handtuch, betrinkt sich und landet besoffen im Büro der zwei Winkeladvokaten Finley & Figg, die gerade einem großen Coup auf der Spur sind. Fortan bereiten sie zu dritt eine Sammelklage gegen einen vermeintlich betrügerischen Pharmakonzern vor – und scheitern auf ganzer Linie. Wäre da nicht Zinc, ein Gutmensch vor dem Herrn, der glücklicherweise dann doch noch für den großen Reibach sorgt. more(mehr…)

24
Aug

Jussi Adler-Olsen: Verachtung
Mehr als nur ärgerlich

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VerachtungLang ersehnt und jetzt sogar im Hardcover – und trotzdem nur ein ganz großes Ärgernis. Der neue Roman von Jussi Adler-Olsen.

»Verachtung« ist der vierte Fall von Carl Mørck und seinem kauzigen wie eifrigen Assistenten Assad. Doch es ist zugleich auch der ödeste Einsatz. Und das, obwohl sich ihr Schöpfer redlich um Unterhaltung bemüht. Jede, wirklich jede Aktion seiner Figuren wird von Hauptfigur Carl Mørck mit einem flapsigen Gedanken bedacht. Was sich anfangs ganz amüsant liest, nervt spätestens auf Seite 20, denn durch diese ständige, bemühte Witzigkeit gerät die Handlung nahezu jeden zweiten Absatz ins Stocken. more(mehr…)

17
Jul

Interview mit Judith Merchant
Miss Marple reloaded

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Judith MerchantWie aus dem Nichts war sie 2009 plötzlich da: Judith Merchant, die vom Syndikat, der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren zurecht den Glauser Preis erhielt für ihre überraschende wie rasante Krimikurzgeschichte »Monopoly«.

2011 machte die 1976 in Bonn geborene Autorin das Double perfekt: Ihre Short Story »Annette schreibt eine Ballade« wurde erneut mit dem Glauser ausgezeichnet. Was für ein Talent! Dementsprechend hoch waren allerdings auch die Erwartungen an ihren ersten Roman, der für das gleiche Jahr angekündigt worden war. Doch mit »Nibelungenmord« stellte Merchant klar: Sie kann auch lang!

In diesen Tagen ist mit Loreley singt nicht mehr ihr zweiter Krimi erschienen. more(mehr…)

17
Jul

Judith Merchant: Loreley singt nicht mehr
Krimi in Reinfom

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Loreley singt nicht mehrUnglaublich, aber wahr: Es gibt noch Krimis, die ganz ohne Gedärme, Blutorgien und andere Perversionen auskommen, und trotzdem nicht nur erfolgreich, sondern sogar gut sind.

»Loreley singt nicht mehr« ist nach »Nibelungenmord« der zweite Roman von Judith Merchant. Der Titel lässt auch diesmal erahnen: Es geht um Mythen und Sagen. Aber natürlich auch wieder um Mord, denn letztlich ist Merchant immer noch eine Krimiautorin, gleichwohl man »Loreley singt nicht mehr« auch als eine Tragödie lesen kann. Denn der Roman handelt vom menschlichen Miteinander – und Gegeneinander – auf dem Dorf, im beschaulichen Königswinter, wo auch Merchant selbst beheimatet ist. Sie kennt daher die Gegend, über die sie schreibt, das spürt man auf jeder Seite, und sie kennt die Gepflogenheiten ihrer Mitmenschen. Der Menschen allgemein. Auch in »Loreley singt nicht mehr« geht es um Liebe, Eifersucht, Neid und Hass, um das Zusammenleben von Frau und Mann. Ganz menschliche Probleme also. more(mehr…)

5
Jul

Tana French: Schattenstill
Begnadete Erbfolge

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Tana FrenchDer geneigte Leser wird wissen: Wenn Blurps zu viel versprechen, bin ich auf Anhieb skeptisch. Im Klappentext zum neuen Krimi von Tana French heißt es, sie sei »eine begnadete Erzählerin« (Die Welt) und habe sich »die Erbfolge unter den Crime-Königinnen gesichert« (Taz).

In diesem Fall gilt aber: »Schattenstill« unterstreicht jedes einzelne Lob. Und das ist wirklich erstaunlich, denn in Frenchs neuem Roman passiert nach dem großen Knall zu Beginn auf den nachfolgenden 700 Seiten, nun ja, gar nichts. Keine bluttriefenden Gewaltorgien, keine kompliziert eingefädelte Kriminalstory und noch viel weniger ein großes, verwirrendes Figurenkabinett. more(mehr…)

11
Jun

Thomas Enger: Sterblich
Hals über Kopf

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Thomas EngerAn Grausamkeit wieder einmal kaum zu übertreffen, aber trotzdem eine erfreuliche Ausnahme im skandinavischen Thriller-Einerlei.

Gerade wenn man denkt, das war’s jetzt, kommt garantiert ein Verlag daher und präsentiert noch einen weiteren, neuen, skandinavischen Krimiautor, der angeblich in der Tradition stehen soll von, nun ja, wahlweise Sjöwall/Wahlöö oder Mankell oder Larsson oder Dahl oder Adler-Olsen oder weiß Gott wem … Doch inzwischen wissen wir: In den seltensten Fällen werden derart vollmundig angepriesene Debütanten den Erwartungen gerecht, stattdessen entpuppen sich ihre Romane oft als inhaltsarme Machwerke, die eigentlich nur einem Zweck dienen: nämlich sich rasch noch ein paar Anteile am gerade aktuellen Slasher-Markt zu sichern. more(mehr…)

9
Jun

David Ellis: Die Anklage
Am Markt vorbei

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Die AnklageDavid Ellis könnte zweifellos in einer Liga mit Erfolgsautor Grisham spielen – würde der Verlag ihn nicht so beharrlich am Markt vobeipositionieren.

Senator Hector Almundo hat mit nicht ganz lauteren Methoden Wahlkampfmittel eintreiben lassen. Nachdem es dabei einen Toten gab, steht der Politiker unter Mordverdacht. Ausgerechnet der junge Anwalt Jason Kolarich soll Almundo verteidigen.
Zu seiner eigenen Überraschung gelingt es Kolarich tatsächlich, den Senator zu entlasten – der Erfolg hat allerdings einen hohen Preis. Weil er noch am späten Abend auf den möglichen Rückruf eines Entlastungszeugen gewartet hat, ließ Kolarich seine Frau und Tochter alleine in den Weihnachtsurlaub fahren. In einem Schneesturm verunglückten die beiden tödlich. more(mehr…)

5
Jun

Kevin Brooks: Schlafende Geister
Luft nach oben

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Schlafende GeisterMit ihren jüngsten Thrillern hat Mo Hayder leider bewiesen, dass sie sich nicht unbedingt auf Spannung versteht. Was also bitte ist davon zu halten, wenn ausgerechnet sie über das Krimidebüt von Kevins Brooks blurpen darf: »Unglaublich fesselnd«? Zum Glück, ganz so falsch liegt sie damit tatsächlich nicht. Aber auch nicht ganz richtig.

Seit John Craines schwangere Ehefrau Stacey ermordet wurde, quält er sich von Nacht zu Nacht. Tagsüber jobbt er als Privatdetektiv, mehr schlecht als recht, denn eigentlich weiß er nicht wirklich, weshalb er die Arbeit macht. Wieso er überhaupt noch lebt. more(mehr…)

7
Mai

Die Brücke: Transit in den Tod – Staffel 1
Libidinös, aber spannend

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Die BrückeEin brünstiger Kommissar, eine an Asperger leidende Kollegin und ein psychopathischer Täter: Die neue Krimiserie aus dem hohen Norden ist packend inszeniert – und verrät einiges über ihren Erfinder.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Don Marcello fragte, was um alles in der Welt sich das schwedische Autorenduo Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt dabei dachte, als es Der Mann, der kein Mörder war verfasste. Sein Krimidebüt entpuppte sich als wenig raffiniert, stattdessen zog es als aufgeblasene Sexschmonzette den Ärger so mancher Leser auf sich. more(mehr…)

2
Mai

Oliver Harris: London Killing
Richtige Scheißkerle …

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London Killing… sind zwar nicht unbedingt als Sympathieträger prädestiniert, können einem Thriller jedoch die gewisse Würze verleihen.

So schaut’s also aus: Nach den gefühlsduseligen, ehebrechenden und saufenden Kommissaren kommen jetzt die richtigen Arschlöcher. Schon unlängst erdachten Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt für ihr vielbeachtetes (wenngleich inhaltlich wenig überzeugendes) Krimidebüt Der Mann, der kein Mörder war einen Ermittler, den man am liebsten in die Hölle wünschte.

Eine ähnlich rücksichtlose, skrupellose Drecksau ist der Londoner Detective Nick Belsey, der eine Menge Schulden und außerdem ein Disziplinarverfahren am Hals hat. Nicht zum ersten Mal erwacht er nach einer Wirtshaustour frühmorgens im Straßendreck; diesmal neben einem schrottreifen Streifenwagen. more(mehr…)

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