Archiv der Kategorie ‘Thriller‘

 
 

John Grisham: Verteidigung
Vergebliche Suche

Don Marcello hat gelesenNiemand erwartet von Grisham hohe Sprachkunst. Doch in seinem jüngsten Roman sucht man sogar vergeblich nach einer Handlung.

Was so natürlich nicht ganz richtig ist, denn natürlich besitzt »Verteidigung«, der neue Roman des US-Bestsellerautors, eine Geschichte: Der erfolgreiche Anwalt Zinc hat die Schnauze voll von der Maloche in einer großen Kanzlei. Er schmeißt das Handtuch, betrinkt sich und landet besoffen im Büro der zwei Winkeladvokaten Finley & Figg, die gerade einem großen Coup auf der Spur sind. Fortan bereiten sie zu dritt eine Sammelklage gegen einen vermeintlich betrügerischen Pharmakonzern vor – und scheitern auf ganzer Linie. Wäre da nicht Zinc, ein Gutmensch vor dem Herrn, der glücklicherweise dann doch noch für den großen Reibach sorgt.
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Jussi Adler-Olsen: Verachtung
Mehr als nur ärgerlich

VerachtungLang ersehnt und jetzt sogar im Hardcover – und trotzdem nur ein ganz großes Ärgernis. Der neue Roman von Jussi Adler-Olsen.

»Verachtung« ist der vierte Fall von Carl Mørck und seinem kauzigen wie eifrigen Assistenten Assad. Doch es ist zugleich auch der ödeste Einsatz. Und das, obwohl sich ihr Schöpfer redlich um Unterhaltung bemüht. Jede, wirklich jede Aktion seiner Figuren wird von Hauptfigur Carl Mørck mit einem flapsigen Gedanken bedacht. Was sich anfangs ganz amüsant liest, nervt spätestens auf Seite 20, denn durch diese ständige, bemühte Witzigkeit gerät die Handlung nahezu jeden zweiten Absatz ins Stocken.
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Thomas Enger: Sterblich
Hals über Kopf

Thomas EngerAn Grausamkeit wieder einmal kaum zu übertreffen, aber trotzdem eine erfreuliche Ausnahme im skandinavischen Thriller-Einerlei.

Gerade wenn man denkt, das war’s jetzt, kommt garantiert ein Verlag daher und präsentiert noch einen weiteren, neuen, skandinavischen Krimiautor, der angeblich in der Tradition stehen soll von, nun ja, wahlweise Sjöwall/Wahlöö oder Mankell oder Larsson oder Dahl oder Adler-Olsen oder weiß Gott wem … Doch inzwischen wissen wir: In den seltensten Fällen werden derart vollmundig angepriesene Debütanten den Erwartungen gerecht, stattdessen entpuppen sich ihre Romane oft als inhaltsarme Machwerke, die eigentlich nur einem Zweck dienen: nämlich sich rasch noch ein paar Anteile am gerade aktuellen Slasher-Markt zu sichern.
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David Ellis: Die Anklage
Am Markt vorbei

Die AnklageDavid Ellis könnte zweifellos in einer Liga mit Erfolgsautor Grisham spielen – würde der Verlag ihn nicht so beharrlich am Markt vobeipositionieren.

Senator Hector Almundo hat mit nicht ganz lauteren Methoden Wahlkampfmittel eintreiben lassen. Nachdem es dabei einen Toten gab, steht der Politiker unter Mordverdacht. Ausgerechnet der junge Anwalt Jason Kolarich soll Almundo verteidigen.
Zu seiner eigenen Überraschung gelingt es Kolarich tatsächlich, den Senator zu entlasten – der Erfolg hat allerdings einen hohen Preis. Weil er noch am späten Abend auf den möglichen Rückruf eines Entlastungszeugen gewartet hat, ließ Kolarich seine Frau und Tochter alleine in den Weihnachtsurlaub fahren. In einem Schneesturm verunglückten die beiden tödlich.
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Kevin Brooks: Schlafende Geister
Luft nach oben

Schlafende GeisterMit ihren jüngsten Thrillern hat Mo Hayder leider bewiesen, dass sie sich nicht unbedingt auf Spannung versteht. Was also bitte ist davon zu halten, wenn ausgerechnet sie über das Krimidebüt von Kevins Brooks blurpen darf: »Unglaublich fesselnd«? Zum Glück, ganz so falsch liegt sie damit tatsächlich nicht. Aber auch nicht ganz richtig.

Seit John Craines schwangere Ehefrau Stacey ermordet wurde, quält er sich von Nacht zu Nacht. Tagsüber jobbt er als Privatdetektiv, mehr schlecht als recht, denn eigentlich weiß er nicht wirklich, weshalb er die Arbeit macht. Wieso er überhaupt noch lebt.
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Die Brücke: Transit in den Tod – Staffel 1
Libidinös, aber spannend

Die BrückeEin brünstiger Kommissar, eine an Asperger leidende Kollegin und ein psychopathischer Täter: Die neue Krimiserie aus dem hohen Norden ist packend inszeniert – und verrät einiges über ihren Erfinder.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Don Marcello fragte, was um alles in der Welt sich das schwedische Autorenduo Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt dabei dachte, als es Der Mann, der kein Mörder war verfasste. Sein Krimidebüt entpuppte sich als wenig raffiniert, stattdessen zog es als aufgeblasene Sexschmonzette den Ärger so mancher Leser auf sich.
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Oliver Harris: London Killing
Richtige Scheißkerle …

London Killing… sind zwar nicht unbedingt als Sympathieträger prädestiniert, können einem Thriller jedoch die gewisse Würze verleihen.

So schaut’s also aus: Nach den gefühlsduseligen, ehebrechenden und saufenden Kommissaren kommen jetzt die richtigen Arschlöcher. Schon unlängst erdachten Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt für ihr vielbeachtetes (wenngleich inhaltlich wenig überzeugendes) Krimidebüt Der Mann, der kein Mörder war einen Ermittler, den man am liebsten in die Hölle wünschte.

Eine ähnlich rücksichtlose, skrupellose Drecksau ist der Londoner Detective Nick Belsey, der eine Menge Schulden und außerdem ein Disziplinarverfahren am Hals hat. Nicht zum ersten Mal erwacht er nach einer Wirtshaustour frühmorgens im Straßendreck; diesmal neben einem schrottreifen Streifenwagen.
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Hans Koppel: Entführt
Billiger geht’s nicht

EntführtUnd noch ein Schwede, der glaubt, den Büchermarkt mit einem Thriller beglücken zu müssen. Doch sein Debüt ist nur ein hastig hingeschludertes Machwerk mit effektheischenden Ekelszenen.

Die junge Ylva verabschiedet sich nach einem anstrengenden Arbeitstag von ihren Kolleginnen und macht sich auf den Heimweg. Sie denkt sich nichts dabei, als ein Auto am Straßenrand hält; schließlich sind die Frau und der Mann, die ihr anbieten, sie die letzten Meter mitzunehmen, alte Bekannte. Doch kaum in deren Auto eingestiegen, wird Ylva von einem Elektroschocker niedergestreckt. Als sie erwacht, befindet sie sich in einer hübsch hergerichteten Wohnung – nur, dass sich die Räume in einem fensterlosen Keller befinden, aus dem es beim besten Willen kein Entrinnen gibt.
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Michael Robotham: Der Insider
Hollywood lässt grüßen!

Der InsiderDer Schauplatz der Ermittlungen und der deutsche Titel suggerieren eine Handlung, die das dreckige Spiel der Geheimdienste entlarvt. Doch stattdessen präsentiert der britische Autor eher konventionelle Thrillerkost.

Was bei den ersten fünf Büchern von Michael Robotham kein Problem darstellte. Sie durchbrachen zwar weder den Rahmen des Thrillergenres, noch boten sie literarisch hochwertige Krimilektüre, doch waren sie mit sympathischen Figuren sowie trickreichen Wendungen strikt auf Tempo ausgerichtet, sodass man sich den Geschichten trotz sattsam bekannter Storybausteine nur schwer entziehen konnte.

Mit »Der Insider« wagt sich der Autor nun erstmals auf neues Terrain, und zwar das der großen Politik: Irak-Krieg und Geheimdienste. Das liest sich nach wie vor über weite Strecken höchst eingängig, kratzt aber letztlich bloß an der Oberfläche.
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Carol O’Connell: Tödliche Geschenke
Tödliche Langeweile

Tödliche GeschenkeMag sein, dass die Autorin literarisches Talent hat. Leider heißt das noch lange nicht, dass sie auch in der Lage wäre, spannende Thriller zu schreiben.

Oren kehrt nach zwanzig Jahren in sein Heimatdorf zurück, weil die Haushälterin seines Vaters ihm einen Brief geschrieben hat. Schon wenige Minuten nach seiner Ankunft erfährt Oren den Grund dafür: Immer wieder werden Menschenknochen auf der Terrasse ihres Hauses abgelegt.
Offenbar die Knochen des vor zwanzig Jahren spurlos verschwundenen Josh, Orens Bruder. Viele im Dorf glaubten damals, Oren sei es gewesen, der seinen Bruder in den Wald verschleppt und dort umgebracht habe. Beweise dafür gab es nicht, Motive noch viel weniger. Doch die Gerüchte hielten sich hartnäckig, weshalb Oren von seinem Vater in ein Internat verfracht wurde.
Sohn weg. Problem erledigt. Tatsächlich?
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