Nordlicht – Mörder ohne Reue. Staffel 1
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NordlichtDänische Krimiproduktionen genießen einen guten Ruf. Doch die TV-Serie um Kommissarin Jensen und Profiler Schaeffer bietet weder Tiefgang noch Spannung – und ist außerdem noch ein schlechtes Plagiat.

Nur zur Erinnerung: »Der Adler – Die Spur des Verbrechens«, »Protectors« oder Kommissarin Lund sind mehrfach mit dem Emmy ausgezeichnete TV-Serien, die den Ruf der Dänen als herausragende Krimiproduzenten festigten. Dank guter Drehbücher glänzen Schauspieler, deren Charaktere Tiefgang besitzen, in aufwendig erzählten Polit-Thrillern, die mit ihrer Kinooptik die deutschsprachigen Krimiformate wie Provinzfernsehen aussehen lassen.

»Nordlicht – Mörder ohne Reue« soll diesen Erfolg fortsetzen. Die Grundidee der sechsteiligen TV-Reihe ist denkbar einfach: Kommissarin Katrine Jensen und Profiler Thomas Schaeffer jagen Serienmörder und kommen einander dabei näher. Wer bei dieser Konstellation an die geniale Brit-Serie »Hautnah – Die Methode Hill« denkt, liegt richtig – und das ist schon das erste Problem. Im Gegensatz zur Tony Hill-Reihe wurden die »Nordlicht«-Geschichten zudem beschleunigt und die Figuren verjüngt – und das ist das zweite, weitaus gravierendere Problem.

Denn während man Laura Bach die Rolle als junge, ungestüme, aber couragierte Kommissarin Katrine vielleicht noch abnehmen möchte (ich sage hier betont möchte, dazu später mehr), wirkt Jakob Cedergren als Profiler Thomas entschieden zu jung und unerfahren, als dass er glaubhaft erschiene. Zu oft erscheinen seine Analysen, die er obendrein willkürlich erstellt Nordlicht(einmal wie aus dem Nichts, einmal hockt er sich scheinbar nächtelang vor Tatortfotos, einmal führt er ewig lange Selbstgespräche), nur als eine Zweckmäßigkeit, die das Drehbuch vorschreibt; weil sie die Handlung vorantreiben, aber nicht, weil sie sich schlüssig aus den Taten der Mörder erklären.

Anders als der zerstreute, schrullige Tony Hill, dem das Drehbuch in »Hautnah« erlaubt, nachvollziehbar in die Psyche der Mörder einzudringen und dadurch deren Taten zu verstehen, darf Thomas nur an der Oberfläche kratzen. Überhaupt steht das Drehbuch einer spannenden Geschichte wiederholt im Weg. Die sechs »Nordlicht«-Episoden strotzen nur so vor Klischees, Schablonen und himmelschreienden Unwahrscheinlichkeiten, die man insbesondere den Hauptfiguren – allen voran Katrine – beim besten Willen nicht abnehmen kann.

Nur zwei Beispiele:

In Fall Nummer 5, »Der Wolf im Schafspelz«, nimmt sich Katrine aus heiterem Himmel einen Urlaubstag, um mit ihrem Freund einen Trip an die See zu unternehmen, und das, obwohl ein Serienmörder seit Tagen die Stadt in Panik versetzt. Das alleine ist bei einer couragierten Kommissarin – als die Katrine eingeführt wurde – im höchsten Maße hanebüchen. Immerhin erklärt sie ihrem Freund: »Aber ich muss erreichbar sein.« Doch als sie sich am nächsten Morgen mit ihm trifft, bittet er: »Aber das Handy bleibt heute aus.« Und was macht Madame? NordlichtSie schaltet ihr Telefon tatsächlich ab. Na klar, der Zuschauer weiß längst, Katrines Freund ist der gesuchte Serienkiller, und nur dadurch, dass sie von allen Kontakten abgeschnitten ist, wird auch sie in Gefahr geraten. Aber bitte, für wie blöd hält man den Zuschauer?

In Fall Nummer 6, »Schatten der Vergangenheit«, dreht ein ehemaliger Patient von Thomas durch und tötet der Reihe nach Leute, die er für seine Klinikaufenthalte verantwortlich macht: Ärzte, Schwestern und deren Angehörige. Folglich sind auch Thomas und seine Familie in Gefahr. Doch als Katrine ihm zur Sicherheit Beamte vor das Haus seiner Frau und seines Sohnes stellen möchte, will der davon nichts hören: »Ich will meine Familie nicht mitreinziehen.« So, so, aha, sehr aufmerksam von ihm. Glaubwürdig ist allerdings was anderes. Natürlich schnappt sich der irre Patient Thomas’ Sohn, aber das nimmt man dann nur noch beiläufig zur Kenntnis. Fast schon ist man geneigt, dem Killer zuzurufen: »Ja, schnapp ihn dir und bring ihn um!« Denn wer so fahrlässig mit der Sicherheit seiner Lieben spielt wie Thomas, hat es nicht anders verdient, als daß er sie verliert.

NordlichtDiese und noch viele solcher abstrusen Momente mehr verleiden einem die Freude am »Nordlicht – Mörder ohne Reue«. Schade.

Nordlicht – Mörder ohne Reue
Edel (D 2011)
DVD Region 2, 6 DVDs, ca. 540 Minuten

Regie: Birger Larsen, Nieles Nørlov, Kasper Barfoed
Darsteller: Laura Bach, Jakob Cedergren, Lars Mikkelsen, Frederik Meldal Nørgaard u.a.

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