Amanda Kyle Williams: Cut
Fadenscheiniges Flickwerk

CutWer hübsche Bettvorleger verkaufen kann, fädelt deswegen noch lange keine gute Thrillerstory ein – wie das Debüt dieser US-Autorin beweist.

In gewisser Weise ist die Arbeit eines guten Thrillerautors der eines Teppichherstellers nicht unähnlich: Beide brauchen zwei, drei gute Fäden, die sie über einen längeren Zeitraum hinweg zu einem ansehnlichen Produkt verknüpfen, von dem der Betrachter sein Auge nicht mehr lassen möchte. In gewisser Weise. In Wahrheit liegen Welten zwischen beiden Jobs, wie am Beispiel Amanda Kyle Williams deutlich wird.

Die US-Autorin verkaufte viele Jahre lang Teppiche, bevor sie beschloß, ihrem Leben eine neue Wendung zu geben. Nun, mit ihrem Werdegang hätte sie Chefin eines Würstelstandes, Filialleiterin in einem Baumarkt oder vielleicht auch Vertriebsleiterin eines Buchverlags werden können. Entschieden hat sie sich für eine Autorenkarriere.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Schreiben kann die frischgebackene Schriftstellerin, auch wenn ihr Stil gewiß nicht nobelpreisverdächtig ist. Ein Gefühl für Sprache hat Williams. Dagegen geht ihr das Gefühl für einen spannenden Plot völlig ab.

Keye Street, Halbasiatin, hat einst als FBI-Profilerin vorzügliche Arbeit geleistet. Allerdings betrank sie sich zu oft, weswegen sie schließlich vom Dienst suspendiert wurde. Jetzt verdingt sie sich als Privatdetektivin und Kautionscop – bis eines Tages der befreundete Detective Rauster um ihre Hilfe als Psychologin bittet: Ein Serienkiller sucht die Straßen von Atlanta heim. Natürlich ist dieser Mörder wieder einmal so heimtückisch, brutal und blutig wie noch kein anderer je zuvor in der (literarischen) Geschichte Amerikas.

Darüber könnte man freundlichst hinwegsehen, stände Keye der Polizei fortan tatsächlich beratend zur Seite. Auch dass die Polizei und sie selbst ins Visier des Mörders geraten, also das inzwischen zu Genüge ausgewälzte Serienkillerschema bemüht wird, wäre nur ein geringfügiges Problem.

Zusätzlich lässt Wiliams ihre Keye jedoch sich immer wieder nur in belanglosen Details ergehen – schier ewig währenden Privatschnüfflerjobs, die für den Fortgang der eigentlichen Mordgeschichte völlig unwichtig sind. Diese ebenso uninteressanten wie langweiligen Ausflüge finden ihre absurde Krönung, als Keye sich im Hinterland Atlantas auch noch auf die Suche nach einer verschwundenen Kuh machen soll. Haha, selten so gelacht!

Apropos Hinterland: Williams’ ausufernde Schilderungen der Stadthäuser / der Bäume / der Gärten / der Landschaften / der Straßen etc. lähmen die Story zusätzlich. Und die Speisen, die sie in ihren Pausen verzehrt, möchte man irgendwann auch nicht mehr bis zum kleinsten Obsthäubchen beschrieben wissen – zumal es bei den Unmengen an Kuchen, Torten und Donuts unglaubwürdig wird, dass Keye eine drahtige Person sein soll.

Womit wir bei der Logik wären: Denn des öden Geschwafels nicht genug, setzt Williams als Krönung ihrer zähen Story noch ein unlogisches Finale obendrauf – die altbewährte, haarsträubende Doppelwendung inklusive.

»Schuster, bleib bei deinen Leisten«, möchte man der Autorin daher zurufen, denn beim besten Willen: »Cut« ist leider nur ein aus altbewährten Handlungsfäden geknüpfter Flickenteppich, dessen Anblick beim Leser nur ein Gähnen erzeugt.

Amanda Kyle Williams
Cut
(The Stranger You Seek)
Wunderlich 2011, 432 Seiten, Euro 19.95

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