Sandra Brown: Sündige Gier
Stück für Stück

Sündige GierDie einen können’s, die anderen nicht. Manche basteln ihre Thriller eben aus Versatzstücken zusammen – wie das Beispiel dieser Autorin zeigt. Kein Wunder, dass es hinten und vorne rumpelt.

Stephen King hat einst behauptet, seine Romane seien das literarische Pendant zu einem Big Mac: eben Fast Food. Diese Selbsteinschätzung ist schwer zu glauben, wenn man, wie ich, gerade erst Der Anschlag gelesen hat, den neuen Roman des King of Horror.

Aber noch mehr Zweifel kommen auf, wenn man einen Thriller von Sandra Brown zur Hand nimmt. Denn während King mit geradezu spielerischer Leichtigkeit seiner Fiktion wahres Leben einhaucht, gleicht die Geschichte seiner Kollegin einem billigen Kunstprodukt. Wie am Fließband Stück für Stück zusammengesetzt – und fertig ist der Thrillerplot.

Paul Wheeler, millionenschwerer Unternehmer, wird bei einem Raubüberfall erschossen. Doch seine 15 Jahre jüngere Geliebte Julie Rutledge will nicht an einen Akt zufälliger Gewalt glauben. Sie verdächtigt den Neffen des Toten, Creighton Wheeler, einen dandyhaften Playboy, der endlich an das Erbe seines Onkels herankommen wollte.

Um zu verhindern, dass Creighton den Starverteidiger Derek Mitchel engagiert, geht Julie kurzerhand mit diesem ins Bett. Jetzt ist der Anwalt befangen – aber auf ihrer Seite, denn welcher Mann kann schon das Angebot einer so hübschen Dame ablehnen?

Jawohl, so schaut es aus, das Brownsche Weltbild: Die Männer sind heldenhaft stark, die Frauen hinreißend attraktiv. Und die Bösewichter sind, naja, eben abgrundtief böse. Grautöne existieren nicht, nur Schwarz oder Weiß. So ist es auch wenig überraschend, dass die Polizisten – die eher beiläufig agieren -, sich zwar als wackere Gesellen versuchen, zur Lösung eines Mordfalles aber nicht das geringste beitragen können.

Ebenso hanebüchen ist, dass sich von einem Schurken Brownscher Machart trotz schlimmster Handgemenge keinerlei Spuren an den Tatorten finden lassen – kein Schweiß, keine Haare, keine Schuppen, rein gar nichts. Als hätte es all die Errungenschaften moderner Kriminaltechnik nie gegeben.

Immerhin: Sieht man über derlei Merkwürdigkeiten hinweg, und nimmt man »Sündige Gier« schlicht als das, was es ist – ein Fließbandprodukt -, dann eignet es sich wohl für den kleinen Lesehunger zwischendurch. Die Magenbeschwerden kommen erst danach. Wie bei Fast Food eben.

Sandra Brown
Sündige Gier
(Smash Cut)
Blanvalet 2012, 512 Seiten, Euro 19.99

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