Michael Hjorth/Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war
Let’s talk about sex

Der Mann, der kein Mörder warIm Krimidebüt des schwedischen Autorenduos liegt einiges im Argen – vor allem das Liebesleben der Kommissare. Das geht nämlich drunter und drüber.

Der leitende Ermittler der Mordkommission Torkel Höglund schläft mit seiner Kollegin, der Kriminaltechnikerin Ursula, die mit ihm wiederum ihren Ehemann betrügt. Derweil ist Polizist Thomas Haraldsson beinahe stündlich, sogar während der Arbeitszeit, bei seiner Ehefrau gefordert, die sich endlich ein Kind von ihm wünscht. Am exzessivsten aber treibt es Polizeipsychologe Sebastian Bergman, dessen Gattin und Kind beim Tsunami 2006 umgekommen sind. Seither sucht er vergeblich nach neuer Nähe – bei jeder Frau, die seinen Weg kreuzt, jeder Zeugin; selbst Hinterbliebene sind vor ihm nicht sicher.

Was freilich zu allerhand Verwicklungen und Spannungen führt – und dazu, dass eigentlich keine Sau diesen Phallus auf zwei Beinen mehr leiden kann. Selbst dem Leser fällt es schwer, Sympathien für ihn zu entwickeln. Der Klappentext »Sie werden es lieben, ihn zu hassen« bringt es daher auf den Punkt.

Dieser muntere erotische Reigen liest sich durchaus kurzweilig, phasenweise amüsant. Aber mit einem Krimi hat er nur wenig zu tun – weswegen es noch einen Toten gibt, einen übelst zugerichteten Teenager. Das ist natürlich schrecklich, hält die vielen Polizisten aber nicht davon ab, ihren Gelüsten nachzugeben, sodaß so einiges erst einmal danebengeht. Also bei der Mordermittlung, haha.

Aber dann finden die liebestrunkenen Damen und Herren doch noch eine Spur, die sie zu einem Privatgymnasium führt, an dem sich Schüler und Lehrer seltsam wortkarg geben. Aus welchem Grund? Die Lösung, wenig überraschend: Sex.

Nicht nur die Kids schweigen sich über ihre pubertären Liebeleien aus, auch die Lehrer sind um Geheimhaltung ihrer Beziehungen bemüht. Kein Wunder, sind es doch schwule Affinitäten, die sich nicht mit der hohen Schulmoral vertragen, und obendrein ein gutes Motiv für einen Mord wären.

Sind sie jedoch nicht. Die Auflösung kommt recht banal daher, auch wenn das schwedische Autorenduo Hjorth und Rosenfeldt zum Schluß noch rasch ein knalliges Feuerwerk zündet – das ebensoschnell verpufft.

Aber um raffinierte Wendungen geht es den beiden vermutlich auch nicht, sondern wohl eher um das Prinzip Mensch und die schwierigen Beziehungen zu seinesgleichen. Und natürlich um Sex.

Michael Hjorth/Hans Rosenfeldt
Der Mann, der kein Mörder war
(Det Fördolda)
Rowohlt Polaris 2011, 592 Seiten, Euro 14.95

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