David Ellis: Die Anklage
Am Markt vorbei

Die AnklageDavid Ellis könnte zweifellos in einer Liga mit Erfolgsautor Grisham spielen – würde der Verlag ihn nicht so beharrlich am Markt vobeipositionieren.

Senator Hector Almundo hat mit nicht ganz lauteren Methoden Wahlkampfmittel eintreiben lassen. Nachdem es dabei einen Toten gab, steht der Politiker unter Mordverdacht. Ausgerechnet der junge Anwalt Jason Kolarich soll Almundo verteidigen.
Zu seiner eigenen Überraschung gelingt es Kolarich tatsächlich, den Senator zu entlasten – der Erfolg hat allerdings einen hohen Preis. Weil er noch am späten Abend auf den möglichen Rückruf eines Entlastungszeugen gewartet hat, ließ Kolarich seine Frau und Tochter alleine in den Weihnachtsurlaub fahren. In einem Schneesturm verunglückten die beiden tödlich.

Kolarich kommt über den tragischen Verlust nicht hinweg, hängt seinen Job an den Nagel, ergeht sich in Trauer, bevor er nach Monaten endlich wieder Fuß fasst. Der dankbare Senator Almundo vermittelt ihm einen Beraterjob bei den städtischen Wasserwerken.
Kaum die Arbeit angetreten, stolpert Kolarich über Betrügereien und Korruptionen, die offenbar hoch bis zum regierenden Gouveneur reichen. Schon nach wenigen Tagen steht das FBI vor Kolarichs Tür und setzt ihm die Pistole auf die Brust: Als Teil des verbrecherischen Behördenkonglomerats drohe ihm nun der Knast – es sei denn, er helfe als verdeckter Ermittler den städtischen Filz aufzudecken.

Kolarich hat keine andere Wahl, er geht auf den Deal ein. Noch viel mehr möchte er aber sein eigenes Gewissen von Schuld befreien: Er fühlt sich verantwortlich nicht nur für Unfall seiner Frau und Tochter, sondern auch am Tod jenes Entlastungszeugen, auf dessen Rückruf er vergeblich wartete.
Es dauert eine Weile, bis Kolarich die volle Wahrheit begreift: Nichts ist zufällig geschehen. Er ist nur ein Spielball gefährlicher Mächte gewesen.

Verstehe mal einer die Verlage. Drei Romane hat Heyne bislang von David Ellis verlegt und jeden mit einem Titelbild versehen, das rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat, weil es blutrünstigste Thriller erwarten lässt.
In Wahrheit schreibt der US-Autor aber eine actionreiche Mischung aus Justiz-, Polit- und Verschwörungsthriller. Das gilt auch für seinen aktuellen Roman »Die Anklage«, dem der Verlag immerhin ein neues Coverdesign spendiert hat – nur leider schon wieder völlig am Thema vorbei. Juristische Scharmützel sucht man in »Die Anklage« vergeblich.

Der Roman ist von der ersten Seite an ein spannender Thriller, der in seinen besten Momenten obendrein mit amüsanten Wendungen aufwartet. Einzig die große Anzahl der Figuren und ihre Beziehungen und Verstrickungen drosseln ein ums andere Mal das flotte Tempo. Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass David Ellis zweifellos in einer Liga mit Erfolgsautor Grisham spielen könnte – würde der Verlag ihn nicht so beharrlich am Markt vobeipositionieren.

David Ellis
Die Anklage
(Breach of Trust)
Heyne 2012, 608 Seiten, Euro 9.99

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