John Grisham: Verteidigung
Vergebliche Suche

Don Marcello hat gelesenNiemand erwartet von Grisham hohe Sprachkunst. Doch in seinem jüngsten Roman sucht man sogar vergeblich nach einer Handlung.

Was so natürlich nicht ganz richtig ist, denn natürlich besitzt »Verteidigung«, der neue Roman des US-Bestsellerautors, eine Geschichte: Der erfolgreiche Anwalt Zinc hat die Schnauze voll von der Maloche in einer großen Kanzlei. Er schmeißt das Handtuch, betrinkt sich und landet besoffen im Büro der zwei Winkeladvokaten Finley & Figg, die gerade einem großen Coup auf der Spur sind. Fortan bereiten sie zu dritt eine Sammelklage gegen einen vermeintlich betrügerischen Pharmakonzern vor – und scheitern auf ganzer Linie. Wäre da nicht Zinc, ein Gutmensch vor dem Herrn, der glücklicherweise dann doch noch für den großen Reibach sorgt.

VerteidigungDiesmal also hat sich Grisham des ureigenen Drangs der Amerikaner zur Sammelklage angenommen, und natürlich kämpft wie immer der kleine Mann (die kleine Kanzlei) gegen den bösen Konzern. Wie gesagt, große Literatur erwartet dabei niemand, allenfalls ein paar, in flotte Unterhaltung gekleidete Einblicke in das krude US-Justizsystem.

Doch statt auch diesmal einen (halbwegs) spannenden Plot einzufädeln – was Grisham durchaus beherrscht, frühere Werke wie »Der Regenmacher oder »Die Firma« beweisen dies -, liest sich seine »Verteidigung« von der ersten Seite an wie eine Dokumentation über den Werdegang dreier Rechtsanwälte, deren Wege sich rein zufällig kreuzen. Wie überhaupt der Zufall immer wieder seinen Figuren zur Hilfe eilt. Das alleine raubt der Geschichte jedwede Glaubwürdigkeit. Da Grisham obendrein kein Meister der Figurenzeichnung ist, zieht sich sein Roman schon bald wie alter Käse. Klischeebehaftete Stereotypen taugen nun mal nicht für 400 handlungsarme Seiten, und erst recht nicht für einen erhellenden Einblick in das US-Rechtssystem.

John Grisham
Verteidigung
(The Litigators)
Heyne 2012, 464 Seiten, Euro 22.99

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