Mo Hayder: Verderbnis
Gott, o Gott, o Gott …

Verderbnis… stöhnen die Eltern, deren Töchter entführt worden sind. Einen ähnlichen Seufzer stößt der Leser aus, wenn er schließlich das Ende von »Verderbnis« erreicht hat.

»Verderbnis« ist die Fortsetzung von »Haut« (2009) und somit der dritte Band der »Walking Man«-Trilogie, die mit »Ritualmord« (2008) begann. Doch keine Sorge: Niemand muss die beiden Vorgängerromane kennen, damit er das Mysterium des obdachlosen alten Mannes versteht, der scheinbar ziellos das englische County durchstreift – oder um zu begreifen, welch düsteres Geheimnis Inspector Caffery und die Polizeitaucherin Flea teilen.
All diese früheren Ereignisse werden nur beiläufig angeschnitten. Und eigentlich sind sie auch uninteressant; aber dazu später mehr …

Im wesentlichen handelt »Verderbnis« von einem Dieb, der ein Auto stiehlt, in dem zufällig auf der Rückbank ein Kind sitzt. Als kurz darauf erneut ein Fahrzeug abhandenkommt, bei dem abermals ein Kind auf der Rückbank saß, muss DI Caffery erkennen, dass es sich dabei keineswegs um einen Zufall handelt. Dass es dem Carjacker nicht um die Autos, sondern um die Kinder ging. Und dass es vor einigen Jahren schon einmal derartige Entführungen gab. Bloß: Warum ist das bisher niemandem bei der Polizei aufgefallen?

Schön, dass die Ermittler in Hayders neuem Thriller keine Superdetectives sind, die alles sofort durchschauen und jeden Hinweis sofort entdecken. Die stattdessen im Dunkeln tappen, weil sie manche Spuren nicht entschlüssen können. Weil sie Fehler machen. Oder weil sie einfach blöd sind.
So dumm allerdings, wie sich Hayders Beamte anstellen, und so fahrlässig, wie sie Ermittlungen immer wieder versaubeuteln, indem sie sich über Dienstvorschriften hinwegsetzen, eigenmächtig handeln, die Suche nach den entführten Kindern gefährden, so blöd kann man gar nicht sein – es sei denn, es handelt sich bei »Verderbnis« um eine Persiflage oder eine Komödie.

Doch nein, Hayder meint das, was sie da auf 446 Seiten daherschreibt, tatsächlich ernst.

»Gott, o, Gott, o Gott«, jammern die Eltern, wenn neue Hiobsbotschaften eintreffen.

»Fuck, fuck, fuck«, fluchen die Ermittler, wenn ihnen wieder etwas mißlingt.

»Endlich, endlich, endlich«, seufzt der Leser, nachdem er den Schluß erreicht hat.

Vorausgesetzt, er hat diesen lieblos zusammengeschusterten Thrillerplot mit seinen oberflächlichen, unschlüssigen, blöden Charakteren überhaupt bis zum Ende ausgehalten.

Dort, im Anhang, bedankt sich die Autorin dann artig bei all jenen, die ihr bei der Arbeit am Roman geholfen haben: ihrer Agentin, ihrer Lektorin, den Sanitätern und den Fachleuten bei der Polizei. »Alle Fehler stammen von mir«, fügt Mo Hayder hinzu, »und niemand wird sie für sich beanspruchen.«

Keine Angst, das wird bei »Verderbnis« niemand, wirklich niemand wollen. Denn für dieses Machwerk muss die Autorin selber geradestehen.

Mo Hayder
Verderbnis
(Gone)
Goldmann 2011, 448 Seiten, Euro 19.99

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