Robert Harris: Ghost
Wohl und Weh des Biografen

Eigentlich passiert im neuen Thriller von Robert Harris über zwei Drittel nicht sehr viel. Und dennoch birgt der Roman enorm viel politische Brisanz – vor allem wenn man weiß, dass Harris mal ganz dicke war mit Tony Blair. Mit diesem weist der fiktive Ex-Premier in »Ghost« sehr große Ähnlichkeiten auf.

Der mittelklassige Autor mehrerer Pop- und Sportstarbiografien soll überraschend die Memoiren des umstrittenen, britischen Ex-Premierministers schreiben, weil sich dessen seelisch angeschlagener Ghostwriter das Leben genommen hat. Natürlich findet der Ersatzmann heraus, dass mehr als ein Selbstmord dahinter steckt, nämlich die ganz große Verschwörung im weltweiten Kampf gegen den Terror.

GhostDoch von der politischen Brisanz, die dieser ungeheuer spannende Thriller birgt, gibt es noch etwas anderes, was mich an »Ghost« begeistert und was mit ein Grund war, warum ich den Roman so gerne gelesen habe. Denn der Ghostwriter plaudert sehr ausführlich über Literaturagenten, das Verlagswesen und sein ureigenes Metier, das Schreiben von Biografien, und das sehr stimmig.

So lässt der Biograf beispielsweise über seine zu porträtierenden Personen wissen: »Am Ende einer erfolgreichen Zusammenarbeit bin ich mehr sie als sie selbst. Ehrlich gesagt macht mir dieser Teil meiner Arbeit ziemlich viel Spaß: die kurze Zeit der Freiheit, jemand anders zu sein. Falls sich das gruselig anhört, dann möchte ich hinzufügen, dass dieser Prozess echtes handwerkliches Können erfordert. Ich entlocke den Menschen nicht nur ihre Lebensgeschichte, ich verleihe ihrem Leben auch eine Form, die oft unsichtbar war. Manchmal gebe ich ihnen ein Leben, von dem sie nicht einmal wussten, dass sie es so überhaupt geführt haben.«

Jawohl, nach Büchern über Tattoo-Theo, Nina Hagen, einen Luden und Sido bleibt mir nur zu sagen: Treffender kann man die Arbeit an einer Biografie nicht beschreiben.

Robert Harris
Ghost
(Ghost)
Heyne 2007, 398 Seiten, Euro 19.95

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