Hans Koppel: Entführt
Billiger geht’s nicht

EntführtUnd noch ein Schwede, der glaubt, den Büchermarkt mit einem Thriller beglücken zu müssen. Doch sein Debüt ist nur ein hastig hingeschludertes Machwerk mit effektheischenden Ekelszenen.

Die junge Ylva verabschiedet sich nach einem anstrengenden Arbeitstag von ihren Kolleginnen und macht sich auf den Heimweg. Sie denkt sich nichts dabei, als ein Auto am Straßenrand hält; schließlich sind die Frau und der Mann, die ihr anbieten, sie die letzten Meter mitzunehmen, alte Bekannte. Doch kaum in deren Auto eingestiegen, wird Ylva von einem Elektroschocker niedergestreckt. Als sie erwacht, befindet sie sich in einer hübsch hergerichteten Wohnung – nur, dass sich die Räume in einem fensterlosen Keller befinden, aus dem es beim besten Willen kein Entrinnen gibt. (mehr…)

Michael Robotham: Der Insider
Hollywood lässt grüßen!

Der InsiderDer Schauplatz der Ermittlungen und der deutsche Titel suggerieren eine Handlung, die das dreckige Spiel der Geheimdienste entlarvt. Doch stattdessen präsentiert der britische Autor eher konventionelle Thrillerkost.

Was bei den ersten fünf Büchern von Michael Robotham kein Problem darstellte. Sie durchbrachen zwar weder den Rahmen des Thrillergenres, noch boten sie literarisch hochwertige Krimilektüre, doch waren sie mit sympathischen Figuren sowie trickreichen Wendungen strikt auf Tempo ausgerichtet, sodass man sich den Geschichten trotz sattsam bekannter Storybausteine nur schwer entziehen konnte.

Mit »Der Insider« wagt sich der Autor nun erstmals auf neues Terrain, und zwar das der großen Politik: Irak-Krieg und Geheimdienste. Das liest sich nach wie vor über weite Strecken höchst eingängig, kratzt aber letztlich bloß an der Oberfläche. (mehr…)

Carol O’Connell: Tödliche Geschenke
Tödliche Langeweile

Tödliche GeschenkeMag sein, dass die Autorin literarisches Talent hat. Leider heißt das noch lange nicht, dass sie auch in der Lage wäre, spannende Thriller zu schreiben.

Oren kehrt nach zwanzig Jahren in sein Heimatdorf zurück, weil die Haushälterin seines Vaters ihm einen Brief geschrieben hat. Schon wenige Minuten nach seiner Ankunft erfährt Oren den Grund dafür: Immer wieder werden Menschenknochen auf der Terrasse ihres Hauses abgelegt.
Offenbar die Knochen des vor zwanzig Jahren spurlos verschwundenen Josh, Orens Bruder. Viele im Dorf glaubten damals, Oren sei es gewesen, der seinen Bruder in den Wald verschleppt und dort umgebracht habe. Beweise dafür gab es nicht, Motive noch viel weniger. Doch die Gerüchte hielten sich hartnäckig, weshalb Oren von seinem Vater in ein Internat verfracht wurde.
Sohn weg. Problem erledigt. Tatsächlich? (mehr…)

Luther – Staffel 1 & 2
Spannend recycelt

LutherKrimifans wissen natürlich: Mit »Luther« ist nicht der Kirchenmann gemeint, sondern ein Ermittler. Dessen Temperament macht seinem Namenspatron alle Ehre; mit diversen Geboten nimmt er es allerdings weniger genau.

Vorab: Das Krimigenre definiert die BBC-Serie »Luther«, deren erste beiden Staffeln in diesen Tagen auf DVD erscheinen, ganz sicher nicht neu. Tatsächlich beschleicht den aufmerksamen Zuschauer immer wieder das Gefühl, alles irgendwie schon einmal gesehen zu haben: die Serienkiller, die die sattsam bekannte Grausamkeit anderer Mörder noch einmal zu übertreffen versuchen und deshalb dem titelgebenden Cop, DCI John Luther, das Leben zur Hölle machen.
Als hätte er sonst nicht schon genug Ärger. (mehr…)

John Hart: Das eiserne Haus
Weniger ist mehr

Das eiserne HausDer US-Autor erzählt seinen neuen Thriller auf hohem Niveau – bis er ihn mit einem kruden Finale zum Absturz bringt.

Michael ist ein Killer, einer der besten, die im Auftrag der New Yorker Mobster meucheln. Doch jetzt, Mitte 30, möchte er seine Waffe an den Nagel hängen und ein bürgerliches Leben beginnen: weil er sich in eine Frau verliebt hat, die von ihm schwanger ist.

Zu seiner Überraschung erteilt ihm sein Boß Otto Kaitlin – einer der mächtigsten Mafiapaten der jüngeren Vergangenheit, der Michael einst auch vor der Gosse gerettet hat – seinen Segen. Denn Kaitlin liegt im Sterben und hat inzwischen selbst erkannt, was im Leben wirklich zählt; und das sind eben nicht Verbrechen, Gewalt und Mord.
Als kleines Abschiedsgeschenk – und als Starthilfe ins neue Leben – bekommt Michael von seinem Boß sogar Zugang zum »Firmenvermögen«, knapp 60 Millionen Dollar. Was freilich Kaitlins Sohn Stevan, einem missratenen Bengel, gar nicht passt. Die Probleme für Michael sind also vorgezeichnet. (mehr…)

Michael Hjorth/Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war
Let’s talk about sex

Der Mann, der kein Mörder warIm Krimidebüt des schwedischen Autorenduos liegt einiges im Argen – vor allem das Liebesleben der Kommissare. Das geht nämlich drunter und drüber.

Der leitende Ermittler der Mordkommission Torkel Höglund schläft mit seiner Kollegin, der Kriminaltechnikerin Ursula, die mit ihm wiederum ihren Ehemann betrügt. Derweil ist Polizist Thomas Haraldsson beinahe stündlich, sogar während der Arbeitszeit, bei seiner Ehefrau gefordert, die sich endlich ein Kind von ihm wünscht. Am exzessivsten aber treibt es Polizeipsychologe Sebastian Bergman, dessen Gattin und Kind beim Tsunami 2006 umgekommen sind. Seither sucht er vergeblich nach neuer Nähe – bei jeder Frau, die seinen Weg kreuzt, jeder Zeugin; selbst Hinterbliebene sind vor ihm nicht sicher. (mehr…)

David Simon: Homicide
Teures Vergnügen

HomicideAls das Buch im August 2011 in deutscher Übersetzung erschien, überschlugen sich die Kritiker vor Begeisterung: »Ein True Crime-Meilenstein!« Ach, wirklich?

1988 gelang David Simon der Coup: Ein Jahr lang durfte er den Detectives der Mordkommission Baltimore auf Schritt und Tritt folgen. Er fuhr mit ihnen raus zu den Leichenfunden, spürte mit ihnen die Tatorte auf, überführte die Mörder, trank mit den Cops auf den Erfolg, oder teilte ihre Enttäuschung, wenn ein Fall trotz nächtelanger, wochenlanger Bemühungen ohne Verfahren oder Verurteilung zu den Akten gelegt werden musste. In »Homicide« breitet Simon die Erlebnisse und Erfahrungen der Polizisten auf mehr als 800 Seiten episch aus. (mehr…)

März 2012
Die wichtigsten Neuerscheinungen

Neu in diesem MonatAuf einen Blick. Die wichtigsten Neuerscheinungen im Monat März – ausgewählt von Don Marcello.

In diesem Monat mit einer wahren Pracht an (hoffentlich) guten Büchern. Zum Beispiel von Don Winslow, Bernhard Jaumann, John Hart und Liza Marklund. Nicht zu vergessen: Zum 100. Todestag von Karl May gibt es einen Hadschi Halef Omar-, Winnetou- und Old Shatterhand-Roman. Nicht wirklich kriminell, aber spannend durchaus.
Auch die Fraktion True Crime hat viel zu bieten: Joe Bausch erzählt aus dem »Knast«, Josef Wilfling in seinem zweiten Buch von der Arbeit als Kommissar, Axel Petermann gibt den Profiler. (mehr…)

Titus Müller: Tanz unter Sternen
Die Hoffnung geht baden

Tanz unter SternenSchon wieder die Titanic-Geschichte … ist so etwas lesenswert? Ja, durchaus. Denn manchmal gibt es eben doch noch Bücher, die für eine Überraschung gut sind.

Titus Müller hat sich inzwischen eine große Fangemeinde erschrieben, mit aufwendig recherchierten, opulenten Mittelalterschmökern. »Tanz unter Sternen«, sein jüngstes Werk, ist ebenfalls ein historischer Roman, der die Uhr allerdings nur um 100 Jahre zurückdreht; zur Jungfernfahrt der Titanic nämlich.

Dem Titanic-Mythos noch etwas Neues hinzufügen – geht das überhaupt? Ja, sehr gut sogar, indem der Autor seinen Fokus nicht auf das inzwischen sattsam bekannte Eisbergdrama richtet, sondern auf die Geschehnisse, die die Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderten: die industrielle Revolution, der Wettlauf der Nationen um die Vormacht, ihr militärisches Säbelrasseln, das dann mit dem Ersten Weltkrieg einen vorläufigen Höhepunkt fand. (mehr…)

Sandra Brown: Sündige Gier
Stück für Stück

Sündige GierDie einen können’s, die anderen nicht. Manche basteln ihre Thriller eben aus Versatzstücken zusammen – wie das Beispiel dieser Autorin zeigt. Kein Wunder, dass es hinten und vorne rumpelt.

Stephen King hat einst behauptet, seine Romane seien das literarische Pendant zu einem Big Mac: eben Fast Food. Diese Selbsteinschätzung ist schwer zu glauben, wenn man, wie ich, gerade erst Der Anschlag gelesen hat, den neuen Roman des King of Horror.

Aber noch mehr Zweifel kommen auf, wenn man einen Thriller von Sandra Brown zur Hand nimmt. Denn während King mit geradezu spielerischer Leichtigkeit seiner Fiktion wahres Leben einhaucht, gleicht die Geschichte seiner Kollegin einem billigen Kunstprodukt. Wie am Fließband Stück für Stück zusammengesetzt – und fertig ist der Thrillerplot. (mehr…)


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