Während der Phallus in unserer Gesellschaft sehr präsent und den unterschiedlichsten Spekulationen über den qualitativen Wert von Größe und Form ausgesetzt ist, ist die Vulva aufgrund ihrer versteckten Physiognomie etwas geheimnisvoller. Viele Männer schauen Pornofilme, in denen Geschlechtsteile – vornehmlich die weiblichen – in Großformat gezeigt werden. Für viele Frauen ist das undenkbar oder doch zumindest nicht nachzuvollziehen.

Auch die geläufige Bezeichnung »Scham« für die externe weibliche Anatomie legt nahe, dass man sich ihrer eventuell schämen müsste. Diese stiefmütterliche Behandlung der Vulva hat sich auf das Sexualleben der meisten Frauen nicht gerade positiv ausgewirkt. Denn die Kenntnis des eigenen Körpers und der Spaß daran sind die Vorbedingungen einer erfüllten Sexualität. Frauen, die ihre Sexualität vor sich selbst und anderen eingestehen und noch dazu wissen, was ihr Körper verlangt, können sich glücklich schätzen. Bis dahin ist es meist jedoch ein weiter Weg. Denn nicht nur die Kenntnis über gewisse Körperregionen, auch das Formulieren und Einfordern der eigenen Wünsche und Vorlieben gegenüber dem anderen Geschlecht möchte gelernt sein.

In dem Buch Ich nenne es »Da unten« erzählen Frauen über sich und ihre Beziehung zum eigenen Körper, ihre Lust, ihre Wünsche und Sehnsüchte. Manche leben ihre Sexualität offen aus, andere berichten von ihren Hemmungen und unerfüllten Phantasien. Sie reden über die Liebe, lustvolle wie bittere Erfahrungen, und vor allem über Sex.

Christiane, 23, hat einen ausgeprägten Trieb: »Ich masturbiere mindestens einmal am Tag. Mir gefällt es, meine Scheide zu berühren.«
Tanja, 19, sagt: »Ich weiß, wie es mir am besten gefällt. Meine Möse ist ein Teil von mir.« Und Ina, 23, bekennt: »Meine Möse ist sehr fordernd.« Diese drei jungen Frauen gehen offen mit ihrer Sexualität um.
Petra dagegen ist zurückhaltender. Für sie ist ihre Scheide nur ein Objekt, mit dem sie ihrem Partner Freude bereiten kann: »Wenn ich mit meinem Freund schlafe, tue ich so, als ob ich Spaß hätte. Habe ich aber nicht. Ich mache nur ihn dabei glücklich.«
Steffi, 26, hat keine Probleme mit ihrer Lust – sie befriedigt sich gerne selbst –, offen darüber reden kann sie mit Männern aber nicht. »Mir fällt es schwer, den Männern zu sagen, wie sie mich berühren sollen. Deshalb hatte ich bis heute keinen guten Sex.«
Monika ergeht es noch viel schlimmer. Sie bedauert: »Ich weiß nicht wirklich, was ich mit meiner Scheide anzufangen habe.« Und Hannelore, 56, gesteht: »Sex ist Kinderkriegen. Mehr nicht.« Nach der Geburt ihrer Kinder hätte sie Sex am liebsten abgeschafft. Auch anderen Frauen ist ihre Scheide fremd. Das wirkt sich auf die Beziehung zu Sex und Männern im Allgemeinen aus. Sie scheuen sich, über Lust und Sex zu reden. Sie weigern sich, über ihr Geschlecht zu reden. Es ist ein vernachlässigter Teil ihres Körpers. Für Dani, 31, ist ihr Unterleib eine fremde Zone: »Ich nenne es ›da unten‹!«

Da unten!

Frauen erzählen über ihre Vagina, die Lust und den Sex

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2006, Taschenbuch
288 Seiten, Euro 9.90
ISBN 3-89602-709-3

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