Tattoo-Theo alias Theodor Vetter (68) aus Hamburg trieb sich Zeit seines Lebens unerbittlich an, um als Tätowierter Erfolg zu haben. Nie war er sich sicher, ob er genug getan hatte, um Anerkennung im Kiez, seiner allerliebsten Heimat, zu haben. Deshalb trieb er sich noch mehr an. Er tat alles, was das Klischee der Tätowierten auf St. Pauli verlangte: er fuhr zur See, er hurte, er soff, er koberte, er ließ Mädels laufen. Und er ließ sich, natürlich, tätowieren. Ergo: Er tat alles, um als waschechtes Kind des Kiezes zu gelten.

Tatsächlich ist Tattoo-Theo heute eine Berühmtheit. Alle großen Illustrierten haben über ihn und seine Leidenschaft berichtet. In unzähligen Talk-Shows war er zu Gast. Noch heute bereichert er Conventions mit seiner Lebensgeschichte, die sich farbenfroh auf seiner Haut erkennen läßt. Eröffnungen von Ausstellungen oder Modeboutiquen verleiht er mit der Präsentation seines Körperschmucks einen skurrilen Touch. Er genießt das, was er schon immer am meisten gemocht hat: Bewunderung!

»Tattoo-Theo - Der Tätowierte vom Kiez« ist nicht nur die Geschichte eines Mannes, dessen Leidenschaft die Hautkunst ist. Es ist sowohl die Geschichte einer Stadt als auch die Chronik einer sündigen Meile. Selbstverständlich ist es auch die Geschichte der Tätowierung in Deutschland. Denn immerhin: Theo hat sie, im wahrsten Sinne des Wortes, am eigenen Leibe miterlebt ...

Tattoo-Theos Leben schlägt einen Bogen von den Goldenen Zwanzigern, als die Ära des Königs der Tätowierer begann, Christian Krischan Warlich, über den Zweiten Weltkrieg, in dem viele tätowierte Frauen und Männer von den Nazis in die KZ verschleppt wurden, bis hin zu den wilden Sechzigern, in denen der Kiez mitsamt dem Konglomerat aus Seefahrern, Tätowierten und Prostituierten zu ungeahnter Größe erblühte.

Vieles von dem ist heute verschwunden. Es dominieren die Porno-Shops, halbseidene Striptease-Bars und Musikschuppen, Spielcasinos, Zocker- und Daddelbuden. Tattoo-Theo aber hält tapfer die Erinnerung hoch. Die Erinnerung an eine einzigartige Atmosphäre. An St. Pauli. An Krischan. An die Tätowierung. An die Frauen. Drei Mark und nackend fünf Mark. Und natürlich an den Sex ...

Demnächst:

Im Patmos Verlag ist im Frühjahr 2005 eine Hörbuch-Anthologie mit dem Titel Große Freiheit - Lieder und Geschichten aus St. Pauli erschienen, eine Sammlung von Liedern und Geschichten rund um die Reeperbahn, den Kiez und die Gegend darum mit Texten von Joachim Ringelnatz, Walter Mehring, Wolfgang Borchert, Domenia, Ariana Barth und von mir - der Patmos Verlag hat einen Auszug aus der Biografie »Tattoo-Theo. Der Tätowierte vom Kiez« mit dem Hamburger Schauspieler Gerhard Garbers als Interpret auf der Hörbuch-Anthologie vertont.

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Tattoo-Theo

Der Tätowierte vom Kiez

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, Paperback
256 Seiten, Euro 12.90
ISBN 3-89602-355-1

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