Irgendwo im Ruhrgebiet. Der Bergbau bestimmt mit Schloten und Ruß das Bild der Region. Wer arbeiten will, gräbt sich unter Tage zum schwarzen Gold vor. Oder er macht eine Imbissbude mit »Currywurst und Fritten rot-weiß« auf, unmittelbar neben dem Werkstor – vielleicht auch eine Goldgrube? Siggi strampelt sich frei von dem kleinbürgerlichen und biederen Leben seiner Eltern – Aldi-Wurst für 60 Pfennig das Glas, Dosenbier abends vor dem Fernseher und einmal im Jahr eine Flasche Wein. Vom deutschen Karatemeister führt sein Weg über die Tür einer In-Disco geradewegs ins Rotlichtmilieu. Scheinbar eine Welt voller Lebensfreude.

»Wir trugen fette Geldbündel in der Tasche, Gold am Hals und an den Fingern, wir waren besoffen vom Champagner und zugedröhnt mit Koks, einfach weil es schmeckte, weil wir es uns leisten konnten, weil es Spaß machte. Und zwar jedes Wochenende. 10.000 Mark an einem Wochenende mit den Weibern zu verpulvern, war nichts Besonderes. Ja, wir waren cool. Wir hatten geile Frauen. Die Frauen hatten geile Männer. Die Welt lag uns zu Füßen. Und der Rest war sowieso doof. Denn nur wir verstanden zu leben. Wir fühlten uns wie die Größten. Die Party, die Kohle, die Fickerei. Wir waren die Größten.«

»Lude!« ist ein schonungsloser Blick in die Strukturen eines Milieus, das sich der Öffentlichkeit normalerweise gerne entzieht. Die Lebensgeschichte von Siggi ist auch eine Geschichte der Prostitution in Deutschland, ein eindrucksvolles und schonungsloses Sittengemälde der achtziger Jahre und ein Zeugnis des Wertewandels.

Als Polizei und Staatsanwaltschaft Siggi wegen »Förderung der Prostitution« sowie »Zuhälterei« vor Gericht stellen, scheint der Fall klar zu sein, eine Verurteilung vorprogrammiert. Dann aber tritt am 1.1.2002 das »Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten«, kurz: »Prostitutionsgesetz – ProstG« in Kraft. Alle Vorwürfe gegen Siggi sind plötzlich null und nichtig. All das, weswegen er sich zu verantworten hat, ist erlaubt. Er wird freigesprochen. Siggi ist damit der erste Zuhälter Deutschlands, der von der neuen Rechtsprechung profitiert.

Lude! Ein Rotlicht-Leben

2. Auflage!

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2006, Taschenbuch
320 Seiten, Euro 9.90
ISBN 3-89602-708-5

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